Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0639

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„Rouge sur gris - Aschaffenburg“
1960
Öl auf Leinwand; gerahmt
131,5 x 163,5 cm
Signiert rechts unten: Prachensky

Provenienz

direkt vom Künstler erworben;
Privatbesitz, Deutschland

€ 70.000

1957 war Markus Prachensky, 25-jährig, nach Paris gegangen, dem Zentrum der abstrakten Malerei. Georges Mathieu und Pierre Soulages, die Vorreiter der Lyrischen Abstraktion, zählten ebenso zu seinem Bekanntenkreis wie Hans Arp und Yves Klein, und man kann sich gut vorstellen, wie anregend diese Umgebung für den jungen Künstler gewesen ist. Die folgenden Jahre wechselte Prachensky ständig seinen Wohnsitz, die Wanderstrecke ist an seinen Bildtiteln genau nachvollziehbar, bezeichnen sie doch in dieser Zeit stets den Entstehungsort eines Werkes.

Künstlerisch wird 1958 mit der Serie „Rouge sur noir - Gainfarn“ die Abstraktion auf die Spitze getrieben. Die Form entfernt sich von den Bildrändern zur Mitte hin, ballt sich dort zusammen, um in den darauffolgenden Werkfolgen „Rouge sur blanc - Sebastianplatz“, 1959 im Atelier von Fitz Riedl entstanden, und „Rouge sur blanc - St. Stephan“, auf eine Malaktion in der Galerie St. Stephan 1960 zurückgehend, wieder zu expandieren. Eine große Rolle spielt hier sicher auch die Performance „Peinture Liquide“, 1959 im Theater am Fleischmarkt in Wien aufgeführt, mit der Markus Prachensky die Befreiung der Farbe zelebriert, die über den oberen Bildrand von riesigen Leinwänden gegossen, einen Vorhang von Farbrinnsalen bildet. Hier ist er den Grundprinzipien des Tachismus oder seinem amerikanischen Pendant dem „Action Painting“ am nächsten. Die im Folgejahr stattfindende zweite Vorführung im Stadttheater Aschaffenburg wird von einer großen Einzelausstellung begleitet, eine große Auszeichnung für den erst 28-jährigen Künstler. In der Folge entsteht „Rouge sur gris – Aschaffenburg“, wie der Name schon sagt in intensivem Rot vor einem hellgrauen Grund. Die Konzentration auf eine einzige Farbe ermöglicht ein ungestümes Arbeiten, das ungebremst eine größtmögliche Spontaneität mit einer dennoch kontrollierten Gestaltung kombiniert. „Rot ist die Farbe meines Lebens“, so der Künstler (Markus Prachensky. Rot auf Schwarz – Rot auf Weiß. Bilder. Ausstellungskatalog, Städtische Kunstsammlungen Chemnitz, Wien 2004, S. 27). Drei Kreisformen ergeben aneinandergereiht das Grundgerüst der Komposition und werden von Bogenformen getragen und gekrönt. Darüber setzt Prachensky Pinselzüge von größter tachistischer Wildheit. Mittels der Malerei erschafft er eine kraftvolle neue Welt gebaut aus Linien, Bögen, Farbspritzern, die einander bedingen, überlagern und kreuzen, eine Welt voller Emotion und Energie. „Ich sehe die Möglichkeit unserer Malerei... in einer Gestaltung aus durch äusserste Konzentration gewonnenen Intuitivkräften und in dem Aufspüren, Ertasten und Finden geistiger Realitäten ausserhalb der drei Grunddimensionen.“ (Markus Prachensky, Manifest der Malerei 1957, in: Markus Prachenksy. Eine Retrospektive. Ausstellungskatalog, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2002, S. 113) (Sophie Cieslar)