Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0329

Jean ( Hans ) Egger

(Hüttenberg 1897 - 1934 Klagenfurt)

„Madame Agnès“
1927/28
Öl auf Leinwand
96,5 x 58 cm
Signiert und eigenhändig bezeichnet rückseitig auf Leinwand: N:2 /Jean Egger / Salon des / Tuileries / 1928
Signaturreste rechts unten

Provenienz

Drouot - Richelieu, Paris, 11. Juni 1997;
Privatbesitz, Frankreich

Ausstellung

1928 Paris, Le Salon des Tuileries, Palais de Bois, Kat.-Nr. 2

Literatur

Roger Nalys, Jean Egger, in: L'officiel de la mode, Paris 1928, Nr. 82, Abb. S. 53;
Leopoldine Springschitz, Hans Egger, in: Sonderdruck aus Carinthia I, Mitteilungen des Geschichtsvereines für Kärnten, 152. Jg., H 1, Klagenfurt 1962, Abb. S. 198;
Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, 186. Wechselausstellung, Wien 24. 03. - 14. 05. 1995, Abb. S. 47, Kat.-Nr. 8;
Matthias Boeckl, Jean Egger 1897-1934, Kunstinitiative Tirol, Innsbruck 2000, Abb. S. 28

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Jean Egger in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 25.000

Jean Egger konzipierte das Porträt Mme Agnès als Hochformat, wobei die Proportionen verändert wurden durch eine Beschneidung der Leinwand am linken Rand der Länge nach in späterer Zeit. Die grazile, überlängte, fragil wirkende Gestalt der Modistin wurde dadurch wie in manchen Werken Modiglianis noch stärker betont. Madame Agnès war ungefähr gleich alt wie Jean Egger, dessen Lebensgefährtin Signe Wallin im gleichen Metier arbeitete. Signe betrieb ein Hutmacheratelier „Mia Wallin“ in Paris, während Mme Agnès, die eigentlich Bildhauerin war, als Modedesignerin und ebenfalls als Hutmacherin arbeitete. Sie war aktiv von den späten 1920er-Jahren bis in die 1940er-Jahre und ihr Salon lag in der Rue Saint-Honoré. Als Künstlerin hatte sie Kontakt zu den Surrealisten und brachte einen surrealistischen Touch in die Applikation von Federn auf ihren Hutmodellen. Jean Egger, der sich eben selbst in Paris etablierte, nachdem er 1925 hierher übersiedelt war, porträtierte sie am Beginn ihrer glanzvollen Karriere in der Pariser Modewelt. Damals entstanden von ihr auch Porträtfotografien der österreichischen Mode- und Porträtfotografin Mme d`Ora (Dora Kallmus 1881-1963).

Mme Agnès bevorzugte schwarze Kleidung, Satin und Lapislazuli. Es ist für den heutigen Betrachter faszinierend, wie sensibel und treffend Jean Egger malerisch diese Persönlichkeit und ihren exquisiten Geschmack interpretierte. Er reduzierte die Darstellung der Gesichtszüge auf ausdrucksstarke Details wie den Blick, den kleinen Mund und die schwarz glänzende Frisur. Ihr Köper wirkt durch die lineare Kontur als zarte Silhouette vor einem abstrakten Lichtgrund in Gelb, der auf der linken Seite als Vorhang erkennbar wird. Die Figur erscheint also im Gegenlicht, wahrscheinlich vor einem Fenster, wodurch die blasse Leuchtkraft der Farben erklärt wird. Dieses Damenporträt von Egger gewährt Einblick in die spezifische Atmosphäre der Pariser Kunstwelt der späten 1920er-Jahre, einer neuen Generation von Künstlern an der Schnittstelle zwischen Kunst und Mode.
Egger zeigte das Bildnis 1928 bei der Ausstellung im Salon des Tuileries, wo es begeisterte Kritiken hervorrief. Roger Naly betonte dabei den Vorzug der Malerei vor der Fotografie. Diese sei ein „spiritueller Akt“, welcher auch eine Emotion vermitteln könne. (Cornelia Cabuk)