Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

18. Oktober 2017, 15:00 Uhr

0463

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Überfall auf eine Karawane“
um 1625-30
Öl auf Holz
49 x 84 cm

Provenienz

in den 1990er Jahren im Münchner Kunsthandel erworben;
seither süddeutsche Sammlung

Gutachten Dr. Klaus Erz, Lingen, den 13. März 1993, liegt bei.
Wie Klaus Ertz in seinem Gutachten anmerkt, sind die Figuren- und Tierstaffagen von anderer Hand und stammen aus der unmittelbaren Umgebung des Sebastiaen Vrancx, vielleicht sogar aus dessen Werkstatt.

Limit € 180.000

Jan Brueghel der Jüngere wurde 1601 in Antwerpen geboren. Dass sein Vater Jan Brueghel der Ältere (1568-1625) bereits früh große Stücke auf seinen ältesten Spross hielt, zeigt die Tatsache, dass er bereits im Jahre 1616 eine Reise nach Italien für seinen damals erst fünfzehnjährigen Sohn plante. Er trat die langersehnte Reise schließlich erst 1622 an und kehrte jedoch schon 1625 nach Antwerpen zurück, um nach dem Tode des Vaters dessen Atelier zu übernehmen und erfolgreich weiterzuführen. So konnte Jan Brueghel der Jüngere auch für vorliegende Komposition aus dem väterlichen Ideenschatz schöpfen. Als eine Inspiration diente ihm wohl besonders der um 1612 entstandene „Überfall auf einen Wagenzug“, welchen Jan Brueghel der Ältere gemeinsam mit Sebastiaen Vrancx geschaffen hatte (Abb. 1). Jan Brueghel der Jüngere entnimmt dem Werk beispielsweise die Grundanlage der Landschaft, den mittigen Wassergraben und verschiedene Einzelelemente und kombiniert sie zu einer neuen eigenständigen Komposition, die er dann mit seinem schwungvollen Pinselstrich belebt.

So blickt der Betrachter von leicht erhobenem Standpunkt auf eine breit angelegte, hügelige Landschaft mit einer Überfallszene. Am linken Bildrand erstreckt sich zum Hintergrund hin ein Wald, dessen vorderste Bäume das Gemälde im linken Teil rahmen. Davor auf einem Weg sieben Räuber mit ihrem Hauptmann. Zwei davon überfallen gerade eine Frau links und einen Mann rechts. Die Staffage des rechten Teiles besteht aus berittenen, zum Teil in Panzer steckenden Räubern, die schonungslos über am Boden liegende Menschen hinwegreiten in die Raummitte des Bildes hinein. Auf einem schräg von rechts nach links zum Hintergrund verlaufenden breiten Weg kommt dieser Reitergruppe eine große, aus vielen Pferdefuhrwerken bestehende Karawane entgegen, die vom Reitertrupp überfallen wird. Der stark wirksame, in etwa dreiviertel der Bildbreite sichtbare Horizont liegt hinter einem hellen „Landschaftsband“, das abgelöst wird von einem leicht bewölkten Himmel. Aus einem hellen Lichtloch im oberen linken Teil des Bildes fällt das Licht auf die Überfallszene. Der Himmel ist von zwei Elstern, Habicht und Storch belebt. (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz).