Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0847

„Clown Taking a Shit“
1988
Farblithographie auf Transparentpapier, fünffarbig; gerahmt
105,5 × 75,5 cm; Auflage: 3/4 e.a. + 35 vorhanden; 24/35
Signiert, nummeriert und datiert rechts unten: Bruce Nauman, 24/35, 88

Provenienz

2009 bei der Galerie Hummel, Wien, erworben;
seither österreichische Privatsammlung

Literatur

Friedrich Christian Flick Collection, Eugen Blume (Hg.), Bruce Nauman, Bonn, 2010, Abb. S. 22, S. 188, Kat. Nr. 121.
John Yau, Bruce Nauman. Prints 1970-89, New York, 1989, Abb. 56, S. 124.

€ 10.000 - 20.000

Die Farblithographie „Clown Taking a Shit“ des Konzeptkünstlers Bruce Nauman zeigt eine ungewöhnliche Szene: Ein Clown auf einer Toilette, dem vertrauten Bereich der Zirkuswelt und jeglicher Intimität beraubt. Gleichwohl beinhaltet die Darstellung das tragikomische Moment clownesker Kunst und vermittelt die Atmosphäre des der Clownfigur immanenten absurden Situationscharakters. Nauman bedient das Klischee des verlachten und taktlosen Clowns als gesellschaftliche Randfigur.

Am linken oberen Bildrand rückt ein geöffnetes Fenster und ein Kamera-Objekt die Szene ins Visier der Öffentlichkeit. Sowohl im Setting, als auch in der Clownfigur selbst verschwimmen die Grenzen von privat und öffentlich. „Durch den als Abstraktum begriffenen Protagonisten tritt auch die Polarität von Wirklichkeit und Illusion, das beunruhigende Eindringen des Fiktiven in das Reale hinzu“. (vgl. hierzu Ellen Heider in: Bruce Nauman. Ausstellungskatalog Museum für Neue Kunst, Ostfildern-Ruit 1999, S.43)

Nauman schafft in den 1980er Jahren einen größeren Werkkomplex rund um die Figur des Clowns. Der zu jener Zeit weitreichende Berühmtheit erlangende Konzeptkünstler dreht unter anderem mehrere Videos, in denen der Clown als Hauptprotagonist auftritt, verkörpert von Schauspielern, die Nauman nach seinen Vorstellungen inszeniert. 1987 entsteht die beklemmende Videoinstallation „Clown Torture“. Eine Filmsequenz nimmt hier bereits den Titel „Clown Taking a Shit“ der ein Jahr später entstandenen Lithographie vorweg. Im von einem erhöhten Standpunkt aufgenommenen Video blättert ein Clown auf der Toilette sitzend in einem Magazin. Videoüberwachung und Voyeurismus sind Themen, die Nauman hier mit einbezieht.

Der Künstler äußert sich folgendermaßen zur Clownfigur auf der Toilette: „Ich habe Zeiten, in denen die Arbeit nur schwerfällig voranging, als Zeiten geistiger Verstopfung definiert, so daß ich mir – als mir das Bild eines scheißenden Clowns einfiel – sofort überlegte, ob ich einen Film oder ein Video-Clip davon machen sollte.“ (Bruce Nauman, zit. nach Coosje van Bruggen in: Bruce Nauman. Basel 1988, S.24)
Bruce Naumans Kunst kreist seit Anfang an um die Befragung der eigenen Identität und um Körpererfahrung. Dabei nehmen die Themenkreise Maskerade und Metamorphose einen wesentlichen Platz ein. In den 1960er Jahren agiert der Künstler noch selbst als sich maskierender und schminkender Akteur vor der Kamera. Später dient etwa der Clown als Platzhalter, auch um die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft zu veranschaulichen. (vgl. hierzu Ellen Heider in: Bruce Nauman. Ausstellungskatalog Museum für Neue Kunst, Ostfildern-Ruit 1999, S.43) In Naumans medial vielschichtigen Arbeiten kommt vor allem auch dem Betrachter ein wesentlicher Stellenwert zu. Dieser wird direkt in seiner Befindlichkeit und Wahrnehmung angsprochen und ins Werk mit einbzeogen, indem Nauman Irritationsmomente an Alltäglich-Gewohntem als Identifikationsraum schafft. (Isabell Kneidinger)