Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

26. April 2017, 18:00 Uhr

0731

Friedrich Gauermann

(1807, Miesenbach - 1862, Wien)

„Die Wehre aus dem Posteldamm mit Rehen“
1825
Öl auf Leinwand
126 × 90 cm
Signiert und datiert rechts unten: Friderich Gauermann f 1825

Provenienz

Laut Gauermanns Eintrag in seinem Einnahmenbuch: Nr. 26, von einem Herrn Reinhart um 125 fl gekauft;
seit 1967 in österreichischem Privatbesitz

Literatur

Rupert Feuchtmüller, Friedrich Gauermann. 1807-1962. Der Tier- und Landschaftsmaler des österreichischen Biedermeier, Wien 1962, S. 159, Nr. 26;
Rupert Feuchtmüller, Friedrich Gauermann, Rosenheim 1987, S. 273, WV-Nr. 43, S. 89 (Abb.);
vgl. Wolfgang Krug, Friedrich Gauermann, 1807-1862, Wien/München 2001, S. 114, 115

€ 30.000 - 60.000

"Was die Kunst betriftt so war ich immer fleißig und bins noch fortwährend, was zwar kein großes Verdienst ist, indem mich außer der Kunst nichts interessiert, und (ich) mich von einem Tag auf den Anderen schon wider aufs malen freue."
(Friedrich Gauermann in einem Brief an seinen Freund Wilhelm Fink)

"Der Postlwald war ein beliebtes "Studienrevier" der Brüder Gauermann und Josef Högers, noch dazu ein vom Gauermannhof schnell erreichbares. Immer wieder stößt man in Gauermanns Studienblättern und Skizzenbüchern auf Motive aus dem Postlwald und auf Landschaften beim Postldamm. Der hier noch urbelassene Auwald bot malerische Einblicke und zahlreiche reizvolle Details, insbesondere entlang des Mühlgangs. Auch in Gauermanns malerischem Werk sind diese Motive mehrfach anzutreffen. Schon 1825 führte der Künstler als großformatiges Gemälde vorliegende "Wehre aus dem Posteldamm mit Rehen" aus (WV-Nr. 43), 1827 folgte eine noch größere Ausarbeitung des Motivs mit Wölfen über einer toten Hirschkuh (WV-Nr. 64). 1830 dürften Gauermanns Einnahmebuch zufolge gleich drei Fassungen dieses Bildes entstanden sein, mit einem unterhalb des Mühlganges liegenden toten Schimmel" (WV-Nr. 112)." (vgl. Wolfgang Krug, S. 114)

Vorliegendes Bild zeigt im Vordergrund einen Rehbock mit Geiß am felsigen Ufer des Miesenbaches. Beide Tiere befinden sich direkt unterhalb des Mühlganges, wo sie ihren Durst löschen. Akribisch wurde jedes noch so kleine Detail festgehalten. Mit Moos bewachsene Steine, Gräser und Blumen am Bachufer, der dichte Wald des Hintergrundes auf steil abfallendem Gelände, nichts ist dem Blick des Künstlers entgangen. Besonders reizvoll ist auch die Lichtsituation. So liegt das Bachbett im Schatten, das rechte Ufer hingegen, mit seinem steil zum Gewässer hin abfallenden Gelände, ist sonnenbeschienen. Dem erst 18-jährigen Gauermann gelang hier die Darstellung einer wildromantischen Landschaft, die nicht nur Idylle, sondern auch eine Dokumentation der unmittelbaren Umgebung seines Heimatortes Miesenbach ist und seine Verbundenheit zu dieser Gegend wiederspiegelt. (MS)