Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

1001

Christo*

(Grabovo, Bulgarien 1935 - 2020 New York)

„Reichstag“
1994
Mischtechnik, Collage auf Karton in Plexiglasrahmen; gerahmt
22,5 × 28,5 × 3 cm (mit Rahmung)
Signiert und datiert rechts unten: Christo 1994
Beschriftet unten: Wrapped Reichstag (Project for Berlin) Platz der Republik, Brandenburger Tor
Rückseitig signiert und datiert: © Christo 1994

Provenienz

Sammlung Dieter und Barbara Ronte

€ 19.000

„Wrapped Reichstag (project for Berlin) Platz der Republik, Brandenburger Tor“ kann man da in der Handschrift von Christo Vladimirow Javacheff, signiert mit seinem Künstlernamen Christo, am unteren Rand der Collage auf Karton lesen. Zu sehen ist eine kolorierte Skizze des Reichstags mit deutscher Flagge und daneben einerseits der Stadtplan Berlins mit dem genauen Standort des Objekts, und darunter eine Andeutung des Gewebes, das Christo und seine Partnerin Jeanne-Claude für die Verpackung des Reichstages verwendet haben.
Schon mehr als 30 Jahre vor der tatsächlichen Verhüllung des großen Gebäudekomplexes hatte Christo zum ersten Mal die Idee dazu geäußert. Als es schließlich dazu kam, war die Wiedervereinigung Deutschlands bereits vollzogen und es ergab sich ein Zeitfenster vor der Renovierung des Reichstagsgebäudes. Ein 100.000m2 großes, mit einer Aluminiumschicht überzogenes, feuerfestes Polypropylengewebe und 15.600 Meter blaues Seil wurden verwendet. Wie bei den Aktionen von Christo und Jeanne-Claude üblich, wurde die Verhüllung nach nur zwei Wochen beendet. Alle verwendeten Materialien wurden recycelt und es bleiben nur Erinnerungen und Dokumentationen wie Fotografien, Skizzen, Collagen, Zeichnungen und Modelle. Mit ihrem Verkauf konnte die Entstehungssumme von 15 Millionen Dollar zur Gänze bestritten werden.
Der 1935 in Bulgarien geborene Künstler hat sich in den 60er-Jahren der Gruppe „Nouveau Réalisme“ angeschlossen, die kurz davor von Pierre Restany und Yves Klein in Paris gegründet worden war und deren Mitgliedern es um eine soziologisch inspirierte Kunstauffassung ging. Christo selbst begann seinen künstlerischen Werdegang mit Portraits, danach beschäftigte er sich mit Assemblagen um dann schon bald Dosen, Flaschen, Stühle und andere Alltagsgegenstände zu verhüllen. Er steht damit in der Tradition des Surrealisten, Malers und Fotografen Man Ray, der in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem Kunstwerk „Das Rätsel des Isidore Ducasse“ - einer verhüllten und verschnürten Nähmaschine -, Aufsehen erregte. Mit ähnlichen Gedanken beschäftigte sich Henry Moore 1942 in seiner Arbeit „Menschenmenge, die ein verschnürtes Objekt betrachtet“. (Clarissa Mayer Heinisch)