Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1077

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Liegende Figur, "Die Woge"“
1966
Bronze; posthumer Guss; Auflage 6/7
L. 61,5 cm, T. 26 cm, H. 19,5 cm
Signiert und nummeriert: WOTRUBA 6/7

Provenienz

Fritz Wotruba Privatstiftung

Literatur

Jürg Janett (Hrsg.), Otto Breicha: Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle (Erker-Verlag, St. Gallen, 2002), WV-Nr. 290, Abb. S. 254
Agnes Pistorius, Fritz Wotruba. Das szenische Werk (Böhlau-Verlag, Wien, 1995), Abbildung Gipsmodell und Umsetzung in Bühnenbauteil S. 54 und 56.
Freunde zur Erhaltung und Betreuung des künstlerischen Nachlasses von Fritz Wotruba und Gerhard Marcks-Stiftung (Hrsg.), Fritz Wotruba, Der Bildhauer als Bühnenbildner (Bremen 1992), Abbildung S. 124.

Wir danken Frau Mag. Stöger-Spevak von der Fritz Wotruba Privatstiftung für die Unterstützung.
Auflage: 7 arabisch nummerierte Güsse

€ 24.000

In den sechziger Jahren schuf Fritz Wotruba in Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Gustav Rudolf Sellner umfangreiche Arbeiten für das Theater. Es entstanden Entwürfe und Modelle für Bühnenarchitektur und Kostüme für einen Antikenzyklus von Sophokles von 1960 bis 1966 am Burgtheater Wien, in der Felsenreitschule in Salzburg und im antiken Theater des Herodes Atticus in Athen sowie 1967 für Richard Wagners Oper „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper in Berlin. Mit letzterem Projekt schloss Wotruba seine erfolgreichen Arbeiten für die Bühne ab.
Der Bildhauer baute für den „Ring“ mit seinen monumentalen Raumskulpturen eine Landschaft, deren Wirkung durch Licht und Farbe gesteigert wurde. Das vorliegende Werk entstand ursprünglich für das erste Bild „Auf dem Grund des Rheins“ von Rheingold. Wotruba betrachtete die liegende Figur aber auch als selbständige Arbeit außerhalb der Bühnenarbeiten und sah sie für den Bronzeguss vor.
Bei diesem Bild „Auf dem Gund des Rheins“, das nur aus der großformatig gebauten Wogen-Figur bestand, und einigen weiteren Szenen der betreffenden Ring-Inszenierung war ein durchscheinender Tüllschleier über die ganze Breite der Bühne angebracht, der die kantige Bühnenarchitektur Wotrubas weicher erschienen ließ und dessen leichte Bewegungen den Eindruck von sanft bewegtem Wasser vermittelten.
Das Element der Bewegung ist für diese Liegende Figur besonders kennzeichnend. Entsprechend der Konzeption, die Wotruba in seinem späten Werk entwickelte, besteht die Figur aus plattenförmigen Teilen, bei denen durch konvexe und konkave Kanten die Grundform des strengen Kubus aufgebrochen wurde. Diese Lebendigkeit der Formen und die dynamische Anordnung der einzelnen Elemente zueinander verleihen der Figur ein Bewegungsmoment, das sie zu den bedeutendsten Werken des Spätwerks macht. (Gabriele Stöger-Spevak)