Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

29. November 2016, 18:00 Uhr

0221

Gabriele Muenter*

(Berlin 1877 - 1962 Murnau)

„Lila Primeln“
1956
Öl auf Papier
61,4 × 43,1 cm (Blattgröße), 60 × 41,5 cm (Passep.-Ausschnitt)
Monogrammiert und mit der Werknummer bezeichnet rechts unten: MÜ BB 3/56
Das Werk ist im Arbeitsheft der Künstlerin von 1956 unter der Nummer "B.B. 3/56" verzeichnet.

Provenienz

aus dem Nachlass der Künstlerin;
Privatbesitz, Deutschland

€ 25.000 - 50.000

Schon in der Schulzeit zeigte sich Münters zeichnerisches Talent, das nicht gefördert aber auch nicht unterdrückt wurde. Nach einem Semester an der Düsseldorfer Damenakademie und einer zweijährigen Reise durch die USA kam sie 24jährig nach München und lernte ihren damaligen Lehrer Wassily Kandinsky kennen, der ihr Geliebter, vor allem aber der erste Mann wurde, der ihre künstlerischen Ambitionen ernst nahm und sie förderte. Nach einer impressionistischen Phase ereignete sich 1908 in Murnau am Staffelsee eine künstlerische Wende für Münter und sie entwickelte sich durch die Zusammenarbeit mit fortschrittlicheren Künstlerkollegen zu einer der wichtigsten deutschen expressionistischen Malerinnen. Ihr wichtigstes Ziel war stets, “das Geistige an sich zu fassen” und sich auf ihre Intuition zu verlassen, sie bezeichnete sich selbst als echte Primitive, wobei sie die einfachen Formen und starken Farben in dunklen Umrissen der bäuerlichen Hinterglasmalerei inspirierten. 1909 erwarb sie in Murnau ein Haus, wo sie in den Sommermonaten gemeinsam mit Kandinsky bis 1914 lebte und arbeitete. 1911 verließen sie die “Neue Künstlervereinigung München” und die neu gegründete Redaktion des Almanachs “Der Blaue Reiter” organisierte erstmals eine Gegenausstellung. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges ging Kandinsky zurück nach Russland und Münter ging bis 1920 nach Skandinavien. Nach ihrer Rückkehr zog sie zu Beginn der dreißiger Jahre dauerhaft nach Murnau, wurde aber durch den Nationalsozialismus zu künstlerischer Isolation gezwungen. Ihr Spätwerk ist gekennzeichnet von Rückgriffen aber auch stilistischen Schwankungen. Nach 1945 erfährt sie wieder große öffentliche Anerkennung infolge der hohen Wertschätzung expressionistischer Kunst.
Das beliebteste Motiv im Spätwerk, wohl weil die Malerin nun auch weniger das Haus verlässt, sind Blumenstillleben, die sie in allen möglichen Medien, ab 1950 aber verstärkt in Öl auf weißem Papier anfertigt. Dabei werden die Formen zunächst von großzügig skizzierten schwarzen Konturen festgelegt und dann – oft nur sparsam - mit Farbe gefüllt, sodass an vielen Stellen das Weiß des Papieres durchscheint. Auch der Hintergrund ist meist weiß oder nur sehr einfach gestaltet, wodurch ein heller und duftiger Eindruck von ungebrochener Lebendigkeit entsteht. (Ina Waldstein)