Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

19. Oktober 2016, 17:00 Uhr

0957

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Mädchen mit Fliederstrauß“
zw. 1873-1876
Öl auf Leinwand
76,3 × 62,5 cm
Signiert rechts oben: N. Okamor

Provenienz

Dorotheum Wien, 366. Kunstauktion, 22.-23. Februar 1926, Nr. 87;
Adolf Weinmüller, München, XXIII. Auktion, 24. April 1941, Nr. 485 (als "Italienisches Straßenmädchen" benannt);
Dorotheum Wien, 466. Kunstauktion, 17.-20. Juni 1941, Nr. 122;
Dr. Josef Langfort, Schloss Altenberg (Steiermark);
Privatbesitz, Graz

Ausstellung

1905 Wien, Galerie Miethke, Nr. 54 (?)
1954 Salzburg, Residenzgalerie, "Makart und seine Zeit", Nr. 137
1992 Wien, Österreichische Galerie, Nr. 47

Literatur

Anton Romako, Ausstellungskatalog der Galerie Miethke, Wien 1905, Nr. 54 (?);
Fritz Novotny, Der Maler Anton Romako. 1832-1889, Wien/München 1954, S. 89, WV-Nr. 202, Tafel 11, S. 29f., 33, 36, 51, 70;
Makart und seine Zeit, Ausstellungskatalog, Residenzgalerie Salzburg 1954, Nr. 137;
Der Außenseiter Anton Romako. 1832-1889, Ein Maler der Wiener Ringstrassenzeit, 163. Wechselausstellung der Österreichischen Galerie, Wien 1992, S. 160, Nr. 47 (Abb.);
Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Belvedere Wien 2010, S. 187, WV-Nr. 331 (Abb.)

€ 75.000

Obwohl Anton Romako nach seiner Ausbildung den Schwerpunkt auf die Historienmalerei legte, veränderten sich seine Darstellungsgegenstände im Laufe seines Schaffens. Vor allem nach der Trennung seiner Frau und der Rückkehr von Rom nach Wien im Jahr 1876 ist dieser Wandel in seinen Gemälden spürbar. Der Ausdruck und die psychologische Tiefe wurden wichtiger und übermitteln dem Betrachter diese einzigartige Stimmung. In vorliegendem Mädchenporträt sind ebendiese Entwicklungen deutlich ablesbar. Streng frontal zum Betrachter gedreht hält das Kind einen Fliederstrauß in ihren Händen. Ihr Kopf ist leicht nach rechts gewendet, was die Strenge der Komposition auflöst. Ihr dunkelfarbiges Gewand wird durch die weiße Schleife um ihren Hals zusätzlich betont. Der ernste Gesichtsausdruck und der direkte Blick zum Betrachter lassen einen unvermittelt in die melancholische Stimmung des Gemäldes eintauchen. Mit einer schonungslos offenen Art scheint der Künstler seine eigenen Gefühle in dieser schweren Lebenskrise zu offenbaren. Die dramatische Beleuchtung von links und der leicht geneigte Kopf des Mädchens tragen zusätzlich zu dieser psychologischen Komponente dieser Genreszene bei. Das für Romako ungewöhnliche Hell-Dunkel suggeriert eine dramatische Plastizität, die dem Mädchen zusammen mit dem dominanten Pinselduktus eine ganz besondere Lebendigkeit eingehaucht.

Ein besonderes Detail ist die Umkehrung der Buchstabenabfolge seines Namens, was laut Cornelia Reiter „eine Reflexion der offensichtlich nicht mehr selbstverständlich und unmittelbar gegebenen eigenen Identität implizieren könnte“. Diese Besonderheit kommt in mehreren Werken Romakos aus dieser Zeit vor (vgl. Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Belvedere Wien 2010, S. 187, WV-Nr. 331). (SP)