Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

19. Oktober 2016, 17:00 Uhr

0965

Eugen von Blaas

(1843, Albano - 1932, Venedig)

„Der Brief“
1887
Öl auf Holz
80 × 48 cm
Signiert und datiert rechts unten: E. de Blaas. 1887.
Rückseitig altes Etikett: Eug. Blaas 9035

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 25.000

Der aus einer österreichischen Malerfamilie stammende Eugen von Blaas verbrachte schon seine Jugend hauptsächlich in seinem Geburtsland Italien. Von seinem Vater stark gefördert, begann Blaas seine künstlerische Laufbahn in Venedig, wo er schließlich an der Akademie seine Ausbildung beendete. Einige Jahre später kehrte er an seine Ausbildungsstätte in der Rolle als Professor zurück.

Die Arbeiten von Eugen von Blaas zeigen vor allem sinnliche Genreszenen aus dem Alltagsleben der italienischen Bevölkerung, die er immer wieder variierte. Subtile Farben bestimmen die Bildräume, die Figuren bestechen durch ihre fotografisch anmutende Plastizität. Diese erreichte der Künstler im Laufe seiner Schaffenszeit, indem er seine Maltechnik immer weiter verfeinerte. Ein wichtiges Thema in seinem Oeuvre waren Porträts meist italienischer, hübscher junger Frauen. Vorliegendes Werk zeigt eine junge Venezianerin vor einem Herd. Schürhaken und Schaufel hat sie beiseitegelegt. In der linken Hand hält sie einen Brief, dessen Inhalt ein Lächeln auf ihre Lippen zaubert. Bekleidet ist die junge Frau mit weißer Bluse, rotem Mieder und gelbem Rock, der auf der Seite gerafft ist und einen Blick auf ihren Unterrock zulässt. Die hellen Farben ihres Gewandes bilden einen spannenden Kontrast zum dunklen Hintergrund und heben sich kraftvoll von diesem ab. Sorgfältig stellt Blaas jedes Detail dar und brilliert in der Gestaltung der unterschiedlichen Oberflächen. Die seidigen blonden Locken, das feine Inkarnat und die Kleidung des Mädchens stellt er mit der gleichen Akribie dar wie das bröckelnde Mauerwerk des Herdes oder die Steinfliesen des Bodens. Alles gemeinsam bildet ein harmonisches Ganzes, das durch die technische Meisterschaft des Künstlers besticht und den Betrachter als stillen Beobachter einer beschaulichen Szene teilhaben lässt. (MS)