Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Oktober 2016, 14:00 Uhr

0608

Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt)

(Grafenwörth 1718 - 1801 Stein)

„Familienbildnis Martin Johann Schmidt“
1790
Öl auf Zinkblech
72,4 × 86,4 cm
Barockrahmen mit Intarsien
Datiert rechts unten auf dem Zeichenblatt im Vordergrund: 1790

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers (Das Gemälde gehörte zur Einrichtung des ersten Erdgeschoss-Zimmers in dessen Haus in Krems/ Stein a. d. Donau, vgl. Allgemeines Nachlassinventar nach dem Ableben von Kremser Schmidt, 1801, Stadtarchiv Krems);
1920 Versteigerung Dorotheum, Wien (als Anton Graff);
Sammlung Oskar Bondy (gest. 1944 in New York), Wien;
1939 von den Nationalsozialisten enteignet und dem Kremser Museum zugewiesen;
1947 an die Witwe Oskar Bondys, Elisabeth Bondy, restituiert;
vor 1951 von Carl-Anton Goëss-Saurau (1921–2015) erworben;
Versteigerung Auktionshaus im Kinsky, Wien, 13. Oktober 2009, Lot 33;
Nachlass von Carl-Anton Goëss-Saurau (1921–2015) und seiner Frau Marie (1921–1996), geborene Mayr-Melnhof, Schloss Pfannberg

Ausstellung

1971 Krems, Dominikanerkloster („1000 Jahre Kunst in Krems“, Nr. 234);
2009–2016 als Leihgabe im Belvedere, Wien

Literatur

Waltrude Oberwaldner, Der Kremser Schmidt. Sein Leben und sein Werk, Schriftenreihe für Heimat und Volk 94, St. Pölten 1943, S. 14 f., S. 23, Abb. 15;
Katalog der Gedächtnisausstellung zum 150. Todestage von Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) 1718-1801 in Krems-Stein, Wien 1951, S. 65, Nr. 113;
Fritz Dworschak/Rupert Feuchtmüller/Karl Garzarolli-Thurnlackh/Josef Zykan, Der Maler Martin Johann Schmidt, genannt „Der Kremser Schmidt“ 1718–1801, Wien 1955, S. 41, Anm. 119, S. 66 und S. 282;
Harry Kühnel (Hg.), 1000 Jahre Kunst in Krems, Ausstellungskatalog, Dominikanerkloster, Krems/Donau 1971, S. 252 f., Kat.-Nr. 234;
Rupert Feuchtmüller, Der Kremser Schmidt 1718-1801, Innsbruck/Wien 1989, S. 140 f., WVZ-Nr. 915, S. 525;
Das Gemälde wurde im Jahre 2012 vom Bundesdenkmalamt zum Denkmal des Monats erklärt (vgl. http://www.bda.at/text/136/Denkmal-des-Monats/17647/ Der-Kremser-Schmidt_Kuenstler-Buerger-und-Familienvater).

Schätzpreis: € 250.000
Auktion ist beendet.

Das auf Zinkblech gemalte Ölbild ist sowohl Höhepunkt als auch zugleich Rückblick auf eine der bedeutendsten österreichischen Künstlerkarrieren im 18. Jahrhundert. Selbstbewusst und sichtbar zufrieden mit seinem Lebenswerk stellt sich der 72-jährige Martin Johann Schmidt dabei ins Zentrum seines künstlerischen und familiären Erinnerungsstücks. Schauplatz der Szene ist ein repräsentativer Raum mit klassizistischem Kaminofen und den links im Vordergrund auf einem Sessel spielenden Katzen.
Es handelt sich dabei wahrscheinlich um das erste Erdgeschoss-Zimmer im heute noch existierenden Wohn- und Atelierhaus des Künstlers in Stein an der Donau/ Krems. Das Gemälde wurde wohl eben für dessen originale Ausstattung geschaffen und blieb gemäß einem Eintrag im Nachlassinventar bis zum Tode Martin Johann Schmidts im Jahre 1801 in Familienbesitz.

Im bürgerlichen Ambiente sitzt der Künstler im Kreise seiner Familie und verweist auf die beiden von ihm unterrichteten Söhne. Vorne sitzt der älteste Sohn Josef Johann Nepomuk (1765-1831) mit einem Manuskript in der Hand und blickt aus dem Bild zum Betrachter heraus. Dahinter steht stolz dem Vater nachfolgend Johann Martin Karl (1769-1849) mit Pinsel und Palette. Das Kinderbildnis am rechten Bildrand zeigt die vier in den Jahren 1764/65 an den Blattern verstorbenen Kinder Schmidts: Franz de Paula Thomas (geb. 1763), Maria Anna Katharina (geb. 1761), Vinzenz Ferrer Thomas (geb. 1760) und Thekla (geb. 1759). Runde Einzelporträts dieser Kinder sind auch im linken Bildhintergrund angedeutet, wovor auf einer Bank seine Ehefrau Elisabeth (1727-1805) und Tochter Viktoria Elisabeth (geb. 1767) sitzen.
Eine großformatige Leinwand hinterfängt den von Malutensilien umgebenen Martin Johann Schmidt. Der Bildinhalt – Venus in der Schmiede des Vulkan – erinnert an sein 1768 eingereichtes Aufnahmestück gleichen Themas für die Wiener k. k. Akademie der bildenden Künste. Symbolisiert dieses Historiengemälde den Beginn seiner herausragenden Künstlerlaufbahn, kann die noch leere Leinwand neben ihm als Hinweis auf seine weiteren künstlerischen Ideen gedeutet werden. Schließlich sollte der Künstler in seinem letzten Lebensjahrzehnt noch zahlreiche weitere Werke schaffen, welche den Übergang des Barock zum 19. Jahrhundert markieren.
Eine weitere Bedeutungsebene erhält die „Venus und Vulkan“-Darstellung, wenn man weiß, dass Martin Johann Schmidt den Schmied als sein Wappenzeichen wählte. Denn „dann ergibt sich ein sehr persönlicher Bildsinn: nämlich die Verbindung von Handwerk und Kunst, eine Vermählung von Können und Schönheit“ (vgl. Feuchtmüller 1989, S. 141). Seine Fähigkeit als großer Entwerfer und Inventor unterstreicht Martin Johann Schmidt auch durch das im Vordergrund am Boden liegende Zeichenblatt, auf welchem das vorliegende Gemälde datiert ist.

Zum Familienbildnis sind heute zwei vorbereitende Arbeiten bekannt. Ein isoliertes Selbstporträt mit dem an der Staffelei sitzenden Schmidt befindet sich in der Sammlung des Schlossmuseums Šternberk/ Sternberg bei Olomouc/Olmütz; dort weist der Maler auf eine Statuette der Pallas Athene statt auf seine Söhne (vgl. Feuchtmüller 1989, WVZ-Nr. 913). Noch ohne Allongeperücke werden die Söhne hingegen auf dem auf Karton aufgezogenen Entwurf zum Familienporträt im Szépmüvészeti Múzeum, Budapest, gezeigt (vgl. Feuchtmüller 1989, WVZ-Nr. 913).