Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0955

Emil Schumacher*

(Hagen/Westfalen 1912 - 1999 San Jose/Ibiza)

„Blumenstillleben“
1948
Öl auf Platte; gerahmt
40.3 × 42,5 cm
Signiert rechts unten: Schumacher

Provenienz

2008 im Auktionshaus im Kinsky erworben, 70. Auktion (Lot 603); seither österreichische Privatsammlung

Die vorliegende Arbeit ist im Archiv der Emil Schumacher Stiftung Hagen unter der Nr. 0/4.383 verzeichnet.
Wir danken Herr Dr. Ulrich Schumacher von der Emil Schumacher Stiftung Hagen für die Mithilfe!

Schätzpreis: € 10.000 - 20.000
Ergebnis: € 11.000
Auktion ist beendet.

Ein Strauß lieblicher Blumen – oder doch das gekonnte Zusammenspiel abstrahierter Formen? Dieses frühe Werk Emil Schumachers scheint zwischen den Extremen von gegenständlicher und informeller Malerei zu schweben.
Wie einzelne helle Sterne strahlen die Blüten in rot, gelb und rosarot aus der ansonsten eher gedeckten, ins Grau spielenden Farbigkeit, die für diese Zeit in Schumachers Werk typisch ist. Sie stechen aus dem Lichtspiel von strahlendem Weiß und sattem Blaugrau hervor und legen sich wie ein Schleier über die abstrahierenden Tendenzen der Arbeit, weben sich über den Rhythmus aus Linien und Flächen, der dem Gemälde zugrunde liegt. „Als wollten sich die kaum gebändigten, leichtflüssigen Farben und hakigen Linien von den gegenständlichen Umrissen befreien, umspielen sie einander in jähen Tänzen, immer wieder plötzlich innehaltend, richtungslos auslaufend oder ihre Schwungrichtung ändernd.“ (Erich Franz, in: „Malerei ist gesteigertes Leben“. Emil Schumacher im internationalen Kontext, Ausstellungskatalog, München 2012, S. 59.)
Emil Schumacher beginnt seine künstlerische Karriere 1935. In den Kriegsjahren von den Nationalsozialisten verboten und von der internationalen Kunstszene getrennt, wird er nach dem Krieg zum Mitbegründer der Gruppe „junger westen“, die sich um die Wiederverknüpfung der deutschen Kunstszene mit dem internationalen Geschehen bemüht. Diese progressive Tendenz und künstlerische Unbeugsamkeit zeigt sich bereits in diesem frühen Werk, das noch stark expressionistische Züge trägt – und jenseits kunsttheoretischer Überlegungen durch seine Frische und Zartheit verzaubert. (Nina Binder)