Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0965

Jörg Immendorff*

(Bleckede/Elbe 1945 - 2007)

„Tor West“
1984
mit Öl überarbeiteter Linolschnitt auf Leinwand; ungerahmt
155 × 205 cm
Signiert und datiert rechts unten: Immendorff 84
Bezeichnet unten mittig: Tor West

Provenienz

österreichische Privatsammlung

€ 50.000 - 100.000

Die großflächige, in düsteren Farben angelegte Komposition ist als modernes Historiengemälde zu sehen. Es ist ein dichtes Gewirr von Menschen und Materialien, gespickt mit allerlei Versatzstücken und Symbolen aus der politischen Gedankenwelt aber auch mit vielen rätselhaften Andeutungen und Motiven. Als Gesamtheit scheinen Utopie und Wirklichkeit in diesem Werk zu verschwimmen. Im rechten unteren Viertel des Bildes hat der Künstler ein Selbstportrait in seine Bildwelten integriert.
Bis in die späten Sechzigerjahre war der Beuys-Schüler Jörg Immendorff dem Fluxus und Postdadaismus zuzuordnen. Erst die Begegnung mit den monumentalen Werken von Renato Guttuso, dem 1911 bis 1987 lebenden italienischen Maler, inspirierte ihn zu einem künstlerischen Realismus, den er in den späten 70er-Jahren umzusetzen begann. So ist auch das vorliegende Gemälde ein realistisch-expressives Werk, das sich mit dem politischen Zentralmotiv des Jörg Immendorff zur damaligen Zeit beschäftigt. Es ging ihm um die Überwindung der deutsch-deutschen Grenze in Form der Berliner Mauer. „Tor West“ steht im Zusammenhang mit dem bedeutenden Bilderzyklus „Café Deutschland“, der aus 16 großformatigen Werken besteht und in dem Immendorff sich der Metapher eines imaginären Cafés, das zum Schauplatz politischer Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschland wird, bedient. (Clarissa Mayr-Heinisch)