Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. November 2015, 16:00 Uhr

0063

Wilhelm Thöny*

(1888, Graz - 1949, New York)

„Porträt Thea Trautner (Bildnis der Gattin des Künstlers)“
1924
Öl auf Leinwand
110 × 80 cm
Signiert und datiert links unten: Thöny 24

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1925 Graz (Grazer Herbstmesse, Steirische Kunstschau)

Literatur

Bruno Grimschitz, Wilhelm Thöny. Mit Essays des Künstlers, Salzburg 1950, Farbtafel vor Tafel I; Wilhelm Thöny. Im Sog der Moderne, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, 24. Mai - 22. September 2013, Tafel 57, WV-Nr. 141

€ 50.000

Thea steht monumental im leeren Raum, der sie leuchtend umfängt und dabei gleichzeitig beinahe isoliert. Ihr Kleid löst sich in Ornament und mehr noch in der Materialität des Pigments auf. Der Farbauftrag ist stark und vordergründig, genauso wichtig und bildbestimmend wie die Farbe selbst. Das Ergebnis dieser Balance zwischen Farbe und Körperlichkeit der Bildsubstanz ist ein Schimmern, ein Vibrieren einzelner Lichtpunkte, was dem Gemälde trotz des pastosen Farbauftrags Leichtigkeit schenkt. Die damit einhergehende Unruhe lässt uns die Person lebendig vor Augen treten, vielschichtig und echt. „Die Intensität, mit der Thöny nicht den Menschen im Allgemeinen, sondern das Individuum zwischen Augenblick und Geschichte, zwischen Maske und Uniform, zwischen Funktion und Konvention malt oder zeichnet, stellt wahrscheinlich den größten Beweis seiner malerischen Ausdrucksfähigkeit dar.“ (Denys Zacharpoulos, in: Wilhelm Thöny. Im Sog der Moderne, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, 24. Mai - 22. September 2013, S. 430.)
Mit Wilhelm Thönys Werken stehen vor uns Zeugnisse einer Epoche, die nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch und kunsthistorisch äußerst turbulent war. Dabei sehen wir diese Zeit aus dem Blickwinkel eines Malers, der sich in den bekanntesten und prägendsten Künstlerkreisen seiner Zeit bewegte und dabei stets völlig seinen eigenen Weg ging. Man findet bei Thöny Anklänge an Courbet und Cézanne und geistige Verwandtschaften zu so verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten wie Oskar Kokoschka, Wilhelm Leibl oder Edvard Munch und ist doch immer zurückgeworfen auf Wilhelm Thöny. Die Unmöglichkeit, sein Oeuvre klar einzuordnen und der Verlust vieler Werke durch Krieg und Feuer, sowie der Umstand, dass er durch die Wirren der Zeit nie wirklich an einen Ort gehört hat, haben ihn schwer greifbar gemacht, wodurch ihm der Stellenwert verwehrt wurde, der ihm eigentlich zustünde. Gerade zur Entstehungszeit des Porträts, ein Jahr nachdem Wilhelm Thöny die Grazer Sezession mitbegründete, wird sein Werk eigenwilliger und immer schwerer einer künstlerischen Richtung und Prägung zuzuordnen. Die zwanziger Jahre sehen somit einen Reifeprozess in seiner Arbeit und einen ersten Höhepunkt eines vielschichtigen und reichen Werks, wovon das „Porträt Thea Trautner“ ein beeindruckendes Zeugnis ablegt. (Nina Binder)