Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2015, 15:00 Uhr

0811

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„Rouges différents sur noir“
1957
Öl auf Leinwand
95 × 125 cm
Rückseitig signiert: PRACHENSKY
Rückseitig signiert und datiert auf Keilrahmen: MARKUS PRACHENSKY 1957

Provenienz

österreichische Privatsammlung

€ 60.000

Rot bezeichnete Markus Prachensky als seine Lebensfarbe, sie war ihm farbiges Äquivalent für den Willen zur Befreiung und zum impulsiven, emotionalen Farbauftrag. Er variierte sie früh auf weißem, grauen oder schwarzen Grund, um die Modulationen ihrer Wirkungskraft zu erkunden. Das Jahr 1957 brachte Prachensky und seiner Gruppe der Galerie Nächst St. Stephan mit Wolfgang Hollegha, Arnulf Rainer und Josef Mikl eine umfangreiche, von Werner Hoffmann initiierte Ausstellung in der Wiener Secession. Unter dem Eindruck der dort gesehenen Arbeiten Prachenskys schrieb Pierre Guéguen einen Aufsatz “Le Rouge et le Noir - ou Stendhal tachiste“, indem er die verschiedenen Wege des Tachismus in seiner informellen Ausprägung aufzeigt, still und zugleich von ungestümer Imaginationskraft ist diese Richtung der Malerei für ihn, vor allem bei Prachensky, dem er “magische Suggestionskraft“ zuschreibt. 1957 lebte Prachensky einige Monate in Paris, die französischen Titel seiner folgenden Werke dokumentieren diese Verbundenheit. Erst zwei Jahre und einige Reisen, Ausstellungen und Publikationen später demonstrierte Markus Prachensky in seiner Schüttbild- Aktion “Peinture liquide“ im damaligen Theater am Fleischmarkt in Wien die Rolle der fließenden roten Farbe für seine Idee von informeller Malerei.

Das Jahr 1957 hatte für Prachensky mit dem Bezug eines Ateliers mit Wolfgang Hollegha in der Liechtensteinstrasse begonnen. Wie in vielen seinen Titeln findet sich auch hier der Inspirationsort, “Liechtenstein“. In der so benannten Werkgruppe entstehen aus hellem Orangerot, dunkleren Rottönen und einem tonerdigen hellen Braun auf schwarzem Grund sprühende und fließende Spuren, die hier aus einer kompakten Anordnung kurzer Gesten streben. Das tiefe Schwarz erhöht die dynamische Wirkung der Rottöne und stellt sie vor eine Folie Unendlichkeit. Das Lebensgefühl jener Zeit sah sich einem ganz neuen Beschleunigungsprozess mit unbekanntem Ende ausgesetzt. In dieser Willkür erkannte Otto Mauer die Malerei Prachenskys als eine “vorsätzliche Demonstration des Willentlichen, das mit weitausholendem Gestus die feurige Natur des menschlichen Geistes bezeugt. Damit das frei Schweifende nicht der Willkür verfällt und ins Ausschweifende entartet, verdichtet es sich, immer auf’s Neue, zu strukturierten Figuren, zu Zeichen, die wie Schriften, durch den geistigen Rhythmus ihrer Bewegung, Gehalt und Bedeutung erkennen lassen (est ingenere signi, kann von der Kunst als solcher gesagt werden).“, so Otto Mauer in seiner Eröffnungsrede der Ausstellung Prachenskys 1960 in der Galerie Springer, Berlin.
Vorliegende Arbeit stellt neben einer Version im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck eine der größten Gemälde dieser Serie dar, die eine weitere zeitgenössische Kritik als "Triumph des Protestes, der sich explosionsartig entlade" bezeichnete. (Claudia Lehner Jobst)