Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

26. November 2015, 17:00 Uhr

1154

Friedrich von Amerling

(Wien 1803 - 1887 Wien)

„Ein Türke“
1840
Öl auf Leinwand
63,5 × 52,5 cm

Provenienz

Provenienz: Hofrat Harry von Pausinger, Wien (laut Probszt); Privatbesitz, Österreich

Literatur

Günther Probszt, Friedrich von Amerling. Der Altmeister der Wiener Porträtmalerei, Wien 1927, S. 130, WV-Nr. 510; Sabine Grabner (Hg.), Friedrich von Amerling. 1803-1887. Ausstellung Österreichische Galerie, Wien 2003, S. 67, SW-Abb. 67

€ 50.000

Im Herbst 1855 verbrachte Friedrich von Amerling kurze Zeit in Konstantinopel. Bei dieser Reise handelte es sich um eine Einladung des türkischen Botschafters in Wien, Arif Effendi. Amerling sollte ein Porträt des osmanischen Sultans Abd ül-Medschid I. malen, welches letztlich jedoch nicht zustande kam. Die Enttäuschung des Malers darüber war nicht groß, vielmehr begeisterten ihn die Eindrücke, die er während der Reise und bei seinem Aufenthalt sammeln konnte. Fasziniert von den orientalischen Lebensformen, den Sitten und Bräuchen kehrte er wieder nach Wien zurück. Dies war Amerlings erster Besuch der Levante. Erst in den 1880er Jahren weilte er nochmals in Konstantinopel. In dieser Zeit bereiste er außerdem Griechenland und Ägypten. Angesichts dieser kurzen – und späten Orienterfahrung verblüfft es, dass sich in Amerlings Oeuvre bereits seit den beginnenden 1830er Jahren Bilder mit Griechen, Türken, Armeniern, Juden und sogar Schwarzafrikanern finden. Da der Name der Dargestellten selten überliefert ist, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den porträtmäßig erfassten Einzelfiguren um typische Vertreter des jeweiligen Kulturkreises handelt. (vgl. Sabine Grabner, 2003, S. 57)

Auch vorliegendes Gemälde eines Türken, welches 1840 gemalt wurde, ist eher nicht der „Orientmode“ des 19. Jahrhunderts zuzuordnen, sondern es handelt sich wohl um die Darstellung eines Repräsentanten einer zugewanderten Bevölkerungsgruppe, die das Straßenbild von Wien prägte. Orientalen waren nämlich zu jener Zeit in der Kaiserstadt keine Seltenheit. Amerling beweist hier einmal mehr seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, denn sowohl Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Kleidung sind harmonisch aufeinander abgestimmt und es wird klar, dass der Künstler das Ziel hatte, das Besondere der Kultur, der die Person angehört, hervorzukehren. (vgl. Sabine Grabner, 2003, S. 58, 67-68)