Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Oktober 2015, 14:00 Uhr

0432

Josef Mikl*

(Wien 1929 - 2008 Wien)

„Rote Figur“
1959
Öl auf Leinwand
71 × 90 cm
Signiert und datiert rückseitig am Keilrahmen: Mikl 59

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Rückseitiges Etikett: Mikl Rote Figur 1959

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 15.000
Auktion ist beendet.

Die frühe Arbeit von Josef Mikl entstand zwei Jahre nach der Gründung der Gruppe Galerie nächst St. Stephan mit seinen Malerkollegen Markus Prachensky, Arnulf Rainer und Wolfgang Hollegha. Die stilistische Offenheit der Gruppe zugunsten der ersehnten Unabhängigkeit ermöglichte der Avantgarde unterschiedlichste Wege zum gemeinsamen Ziel. Mikl legte sich nicht exklusiv auf Abstraktion fest. Für ihn sind auch in Bildern, wie dem vorliegenden, dessen Dichte sich aus sparsamen malerischen Spuren und innerer Dynamik ergeben, weder reine Gestik noch explizite Figuration zwingend. „Das, was man sieht, das was man gesehen hat, läßt sich nicht ganz vergessen. Daher gibt es keine ausgedachten, keine wirklich gegenstandslosen Bilder.“ (Josef Mikl, Über den Gegenstand 1967, zitiert in: Josef Mikl (Hrsg.), Monographie, Wien 1979, S. 38).
In ihrer Auffassung steht diese Arbeit den Entwürfen für die Glasfenster der Friedenskirche in Hiroshima nahe, die Mikl 1959-60 fertigte. Auf einer Seite des Langschiffes wurden die Glasfenster zum Thema der christlichen Liebe in Gelb und Rot ausgeführt, die Farbigkeit entspricht der Emotion, die ausgelöst werden soll, angeregt auch durch die wie flüchtig wahrgenommenen figürlichen Erscheinungen. Auch die Glasfenster für die Kirche in Aderklaa, Niederösterreich (1963-64) zeigen die Tendenz jener Jahre zu einer subtilen und doch kraftvollen Sprache mit stark reduzierter Farbigkeit und einer spannungsvollen Überleitung aus der früheren geometrischen Bildwelt, die im Geist seiner Künstlerkollegen im Nachkriegseuropa des abstrakten Expressionismus und des Informel ein Freiheitsversprechen enthielt. Neues zu schöpfen, Emotionen und Visionen frei auszudrücken, international anzuknüpfen und die schmalen Stege der Kunst des Nachkriegsösterreich zu weiten waren die Ziele der Künstlergemeinschaft. Die „Rote Figur“ Josef Mikls, die in einer über Jahre aufgebauten Werkgruppe zu diesem Thema zu sehen ist, bleibt als Struktur aus leuchtenden Farben und satter Handschrift in einer seiner dem Gegenständlichen fernsten Phasen als frühes Zeugnis seiner Auf- und Ausbruchs. (Claudia Lehner-Jobst)