Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0047

Georg Mayer-Marton*

(Raab, Ungarn 1897 - 1960 Liverpool)

„Fischmarkt“
um 1950
Öl auf Leinwand
56 × 79 cm
Monogrammiert links unten: Gmm

Provenienz

Familie des Künstlers; österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1960 Liverpool, Walker Art Gallery (Gedenkausstellung)

Literatur

Georg Mayer-Martón (1897-1960), Katalog Galerie bei der Oper, Wien, Oktober 2014, Coverbild

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Auktion ist beendet.

Die Keimzelle der Kunst von Georg Mayer-Martón ist im Umfeld des Hagenbundes und der zweiten Wiener Moderne zu sehen. Das Ornamenthafte und Expressionistische der Wiener Secession bildete damals noch eine Basis, doch neue Vorstellungen von Raum und Fläche, Farbe und Linie hielten Einzug. Mayer-Martón gehörte zum engen Kreis der Hagenbündler um Georg Merkel, Viktor Tischler, Otto Rudolf Schatz, Carry Hauser und vor allem Josef Floch. Ihnen gemeinsam war eine starke, von innen leuchtende Farbigkeit, deren Expressivität durch eine ebenso kräftige Formgebung diszipliniert wurde. Das Moment der Stille nahm eine zentrale Stelle ein, sowie die Suche nach gültigen Werten, allgemeinen Gesetzen, begleitet von einer sanften, manchmal melancholischen Melodie.
Einige Werke aus den 50er Jahren, die er früheren aber verlorenen Werken nachempfunden hat, erinnern in ihrer kubistischen Formzerlegung und ihrem Thema Musiker an einen anderen großen Maler der Musik, Max Oppenheimer. Für diese dynamisch wie genau analysierte Zergliederung ist weniger an eine Auseinandersetzung mit kubistischen–orphistischen Tendenzen aus Frankreich zu denken, als an seinen Lehrer an der Akademie Franz Cizek. Dessen Lehre von der Autonomie des Malgestus analog zur Malerei von Kindern und von der Notwendigkeit der Bewegung im Bild wurde bald als Kinetismus bekannt und war eine kurzfristige wie ungemein kreative Variante des Kubismus.

Mit dem Beginn des Nationalsozialismus und der Flucht nach England verloren Mayer-Martón und seine Frau die vertraute Umgebung, den inspirierenden Austausch mit Künstlerkollegen und Sammlern, ihre Kontakte und die Früchte ihrer teils erst jungen Erfolge. Georg Mayer Martón verlor noch mehr: zwei Jahre nach seiner Flucht nach London zerstörten deutsche Bomber im Zuge der „Blitz“ Offensive 1940 jenes Lagerhaus, indem er die eingetroffenen Bilder aus Wien aufbewahrt hatte. 800 Ölgemälde und Aquarelle gingen in Flammen auf, nur eine größere Zahl von Papierarbeiten konnte gerettet werden. Sein 20-jähriges Lebenswerk in Öl wurde vernichtet. Nach diesem Schicksalsschlag, den seine Frau nicht überwinden wird können, noch etwas „Lebendiges“ hinterlassen zu wollen, erforderte eine bemerkenswerte mentale Disziplin. Nach weiteren 20 Jahren hatte Georg Mayer-Martón jedoch ein neues, umfangreiches Œuvre geschaffen, indem sich in schöpferischer Weise die Einflüsse seiner Jugend mit denen der zweiten Heimat und der fortschreitenden Moderne eindrucksvoll und eigenständig verbanden. (MHH)