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Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0001

Egon Schiele

(Tulln 1890 - 1918 Wien)

„Mädchen (aus: Mappe "Das Graphische Werk von Egon Schiele")“
1918
Kreidelithografie auf Papier; ungerahmt
39,6 × 54 cm (Blattgröße)
Auflage: 80 Drucke für die Mappe "Das Graphische Werk von Egon Schiele", 1922
Rückseitig Signaturstempel: Egon / Schiele / 1914

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Otto Kallir, Egon Schiele. Das druckgraphische Werk, Wels 1970, WV-Nr. 17b, S. 186; Jane Kallir, Egon Schiele. The Complete Works, New York 1990, WV- Nr. G. 17b2, Abb. S. 650

€ 17.000

Die angebotenen Druckgrafiken Kat.-Nr. 1-8 stammen aus dem Exemplar Nr. 16 der Mappe „Das Graphische Werk von Egon Schiele“.

Nachdem Otto Kallir die Leitung der Kunstabteilung des Rikola-Verlages 1921 übernommen hatte, sollte die Schiele-Mappe eine der ersten großen Projekte werden. Er erwarb von Arthur Roessler die Platten von fünf Radierungen und ebenso unverkaufte Drucke von zwei Radierungen und zwei Lithografien. Außerdem kaufte er von Robert Philippi, der Schiele persönlich bei der Erstellung der Platten behilflich war, die Kupferplatte „Männliches Bildnis“.
Im Jahr 1922 erschien die Mappe „Das Graphische Werk von Egon Schiele“ in einer nummerierten Auflage von 80 Exemplaren. Die Anzahl der Auflage richtete sich nach den noch vorhandenen Exemplaren der beiden Lithografien, denn die Steine dieser waren bereits abgeschliffen. Daraus erklären sich die Unterschiede der Papiersorten und Blattgrößen in der Mappe.
Im Jahr 1919 wurden bereits die Radierungen „Kümmernis“ und „Kauernde“ gedruckt. Die Vermutung liegt nahe, dass in diesem Jahr auch die Drucke des „Bildnis Arthur Roessler“ entstanden, da sie dieselbe Farbigkeit aufweisen. Die drei Radierungen „Männliches Bildnis“, „Selbstbildnis“ und „Bildnis Franz Hauer“ wurden 1921 oder 1922 in einer Auflage von 80 Exemplaren (außerdem eine kleine Anzahl Überdrucke) für die Mappe gedruckt.

Bei der Radierung „Männliches Bildnis“ handelt es sich um Egon Schieles ersten Versuch mit der Radiertechnik. Er hat dieses Porträt ohne Vorzeichnung auf die Kupferplatte geritzt. Dies fiel ihm wesentlich schwerer als die üblichen Zeichnungen in Bleistift, die mit geübter Leichtigkeit entstanden. Erst von dem „Bildnis Franz Hauer“ sind Vorstudien bekannt. Auf die eher kleinen Arbeiten folgten dann die größeren Arbeiten „Kümmernis“ und „Kauernde“. Bei dem „Bildnis Arthur Roessler“ gelang Schiele die Wiedergabe seiner Vorzeichnungen. Besonders augenfällig ist die effektvolle Ausarbeitung der Hände, die sich auch in seinen Zeichnungen und Gemälden findet.
Die Lithografie „Bildnis Paris von Gütersloh“ steht in engem Zusammenhang mit dem Gemälde. Parallelen finden sich vor allem im Gesichtsausdruck und der Kopfhaltung. Diese Arbeit war ursprünglich für die „Gesellschaft für vervielfältigende Kunst“ geplant, diese lehnte jedoch ab, da ihr die Ausführung nicht typisch genug erschien. Daraufhin entstand die Lithografie „Mädchen“, es war Schieles letzte druckgrafische Arbeit. (AKE)