Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

0210

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Große Skulptur“
1972
Bronze, Auflage 7 Stück; 3/7
214×100×94 cm
Signiert: F WOTRUBA und WOTRUBA (Punze)
Nummeriert: 3/7
Posthumer Guss

Literatur

Jürg Janett (Hg.), Otto Breicha: Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen und Architekturmodelle, Erker-Verlag, St. Gallen 2002, Wkvz.-Nr. 328, Abb. S. 269

€ 135.000

Fritz Wotruba schuf 1972 die Große Skulptur in Ruskitza Marmor, die sich heute als Depositum der Witwe des Künstlers, Lucy Wotruba, im Kunsthaus Zug in der Schweiz befindet.
Im Gussbuch des Künstlers ist für diese Figur eine Bronze-Auflage von sieben Güssen vorgesehen, von denen bis heute drei Güsse hergestellt wurden. 1974 erwarb die Stadt Wien einen Guss, der in der Lilienbrunngasse gegenüber dem Dianabad Aufstellung fand.
Literatur: Jürg Janett (Hrsg.), Otto Breicha: Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle (Erker-Verlag, St. Gallen 2002), Werkverzeichnis-Nr. 328, Abb. S. 269.

Fritz Wotruba gilt als einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Er erweiterte in den 1960er Jahren basierend auf seinem Grundkonzept der kubischen Konstruktion die menschliche Figur zur lebendigen „Figuration“, in der sich Vorstellungen von Figur, Natur, Landschaft und Architektur verbanden. Die Vielfalt der späten Arbeiten Wotrubas reicht von dynamischen bis zu streng architektonisch-abstrakten Resultaten. Sie zeichnen sich durch eine neuartige räumliche Öffnung und Aktivierung der einzelnen kubischen Teilformen aus. Darauf aufbauend setzte sich Wotruba ab 1969 wieder verstärkt mit dem Torso-Motiv auseinander, das sein Werk von Beginn an geprägt hatte. In diesen letzten Jahren seines Schaffens gestaltete er Torsi, die sich durch eine Wiederannäherung an die Grundstruktur der menschlichen Figur auszeichnen. Zugleich bemächtigten sich Pathos, Dramatik und ein Zug zum Theatralischen –
als Erbe seiner intensiven Arbeit für die Bühne in den 1960er Jahren – der letzten Werke Wotrubas.
Die Große Skulptur von 1972 ist die letzte großformatige stehende Steinskulptur, die der Bildhauer vollendete. Die Umsetzung der Steinarbeit in das Material Bronze verstärkt sogar noch den monumentalen Charakter dieses Werks. Die Große Skulptur stellt einen absoluten Höhepunkte des reifen Schaffens Wotrubas dar. In ihrem klaren Aufbau mit einfachen Grundformen wirkt sie souverän in sich ruhend und zugleich doch bewegt. Wotrubas Skulpturen haben als Kunstwerke von klassischer Zeitlosigkeit nach über vierzig Jahren ihre Gültigkeit in einzigartiger Weise bis heute bewahrt.

„Der Block, der Kubus sind Grundformen und Ausgangspunkte, zu denen eine Rückkehr immer möglich sein sollte. In welchen Formen auch immer sich ein schöpferischer Wille manifestiert – bedeutsam ist einzig die Entschiedenheit, mit der er es tut.“
Fritz Wotruba

(Gabriele Stöger-Spevak, Fritz Wotruba Privatstiftung)