Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

0045

Jakob Gasteiger*

(Salzburg 1953)

„o.T.“
2005
Acryl auf Leinwand
200 x 200 cm
Rückseitig signiert und datiert: Jakob Gasteiger 2005, 3.12.2005
Rückseitiger Künstlerstempel

Provenienz

Privatsammlung Steiermark

€ 15.000 - 30.000

„Meine Bilder sind absichtslos absichtlich. Die Spuren des Kammwerkzeugs sind wie ein vergrößerter Pinselstrich.“ (Jakob Gasteiger)

Jakob Gasteiger entwickelte sein radikales, minimalistisches Bildkonzept in den frühen 1980er Jahren. Sein künstlerisches Selbstverständnis hat sich vor dem Hintergrund der damals kontroversiell diskutierten Debatte um die Postmoderne herausgebildet und steht im Gegensatz zum malerischen Ansatz der sogenannten „Neuen Wilden“, die in den achtziger Jahren Furore machten.
Ging es letzteren um eine forcierte Subjektivität des künstlerischen Ausdrucks und einen gesteigerten expressiven Gestus, erscheint bei Gasteiger der individuelle malerische Duktus fast zur Gänze getilgt. Weit entfernt von neoexpressiven Strömungen beschäftigte er sich mit bildautonomen Aspekten, mit der Frage nach Bild und Objekt, Farbmaterie und Bildträger, der Zusammensetzung seiner Malmittel und dem Prozess des Farbauftrags. Künstlerische Orientierung boten ihm die amerikanischen Maler aus dem Umkreis der Minimal Art wie Brice Marden, Agnes Martin oder Robert Mangold, die ihre formalen Mittel radikal reduzierten. Um 1984 experimentierte Gasteiger mit selbst gefertigten Kartonspachteln und einer damit hergestellten gefurchten Bildstruktur. Mit den gleichmäßig gerillten Bildern hatte er seinen eigenen künstlerischen Weg eingeschlagen.
Gasteiger versteht seine Malerei als handwerklichen Vorgang: an die Stelle des Malerpinsels tritt das Werkzeug des Kartonkamms, nicht die expressive Geste des Künstlers ist entscheidend, sondern das Kämmen der Farbmaterie in einem gleichmäßigen, linearen Rhythmus. Betont wird die mechanische Machart und das Prozessuale der Herstellung: die Reliefstruktur des Bildes ist immer auch als Bewegungsspur des malerischen Aktes lesbar. Die Zeit avanciert so zu einem wesentlichen Faktor des Bildkonzepts.
Gasteigers Werke werden vor allem durch die Strenge eines monochromen Auftrags und die Regelmäßigkeit der in die Acrylpaste gezogenen Rillen geprägt. Reizvoll und überraschend sind jedoch gerade auch jene Bildpartien, in denen es durch das Kämmen der Farbmaterie zu geringen Abweichungen und Brüchen im Rhythmus der Farbfurchen kommt. Gasteiger selbst hat auf diese leichten Störungen in der an sich sehr rigorosen Bildstruktur verwiesen: „Ich habe mir manchmal zur Aufgabe gemacht, ein gelungenes Bild zu wiederholen, mich sozusagen selber zu kopieren, aber das ist unmöglich. Ich war und bin immer bereit, während des Arbeitsvorgangs auf Unvorhergesehenes zu achten und es in die Arbeit mit einzubeziehen. Es ist nie möglich, das Ergebnis vorherzubestimmen. Ich habe zwar eine genaue Vorstellung, was Format, Farbe, Farbbeschaffenheit, Kammstärke, Strukturrichtung betrifft, aber diese Parameter bestimmen auch über mich und somit über das Ergebnis. Vor allem bei großen Formaten wächst der Widerstand, und es ist nicht möglich, exakt vorherzusehen, wie das Ergebnis aussehen wird.“
Bei aller Strenge der monochromen Reliefstruktur erweisen sich Gasteigers Werke immer auch als äußerst sinnliche ästhetische Gebilde, die mit dem Reiz des Taktilen spielen und den Blick des Betrachters für die vielschichtige Wirkung von Licht und Farbe öffnen. (CMG)