Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

24. März 2015, 16:00 Uhr

0067

Moni K. Huber*

(Salzburg 1969)

„Hotelruine Haludovo“
2014
Mischtechnik auf Leinwand
70 × 100 cm
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Moni K. Huber, 2014, Haludovo
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet: Hotelruine Haludovo # 5

€ 1.700

Wenn sich auch das, was wir mit „Atmosphäre“ bezeichnen, nicht eindeutig definieren lässt, so ist uns der keineswegs auf die Naturwissenschaften beschränkte Begriff im allgemeinen vertraut und gut verständlich. Bezogen auf Eindrücke in der Natur und unsere Erfahrungen im Zusammenhang mit Kunst und Photographie sind Wort und Begriff allgegenwärtig.
Die physikalische Erklärung für Atmosphäre lautet Lufthülle, bei Gemälden oder Photographien umschreibt man derartige, auch emotional relevante Eindrücke, gerne mit Begriffen wie Stimmung oder Milieu.
Wird zu dick aufgetragen hat man es, was Atmosphäre und Stimmung in der Kunst betrifft, schnell mit Kitsch zu tun, fehlen doch derartigen Bildern in der Regel entsprechende Umsetzung, feine Schwingungswerte und jenes „Flirren“, das den Betrachter bewegt und die Unverwechselbarkeit einer Photographie oder Malerei bestimmt.

Derartige Qualitäten in der Kunst zu erreichen, hängt nicht vom Sujet oder Stil ab, sondern eindeutig von der Art und Weise der bildnerischen Umsetzung. Die beiden hier vorgestellten mittelformatigen Gemälde der 1969 in Salzburg geborenen, in Wien lebenden Malerin Moni K. Huber, sind treffende Beispiele für das Gesagte. Sie sind poesievolle und dennoch sachliche, Fakten und spezifische Situationen betonende Bilder einer einst blühenden Tourismus- und Freizeitarchitektur in Deutschland, Österreich oder am Balkan. Heute lassen nur noch Ruinen und symptomatische Relikte Rückschlüsse auf Funktionalität, die ursprünglichen architektonischen Qualitäten derartiger Bauwerke und deren Eingebundensein in Natur und Umgebung zu. Und dennoch verströmen sie eine neue Schönheit, eine eigenwillige Poesie, wo architektonische Skelette auf die Kräfte einer sich Jahr für Jahr erneuernden Baum -und Pflanzenwelt treffen und das allseitig eindringende Licht
Kapriolen schlägt und Schatten wirft.
„Rost blüht“ nannte der Wiener Dichter Alois Vogel in den 1960er Jahren einen kleinen Band mit Haikus, den dreizeiligen, aus jeweils 17 Silben bestehenden japanischen Gedichten. Der Titel war ein Verweis auf die Poesie, auf den strukturellen graphischen Reichtum im Abseits, auf Bemerkenswertes und Schönes, das statt gesehen und wertend wahrgenommen in der Regel übersehen wird, und, um beim Rost zu bleiben, eben nur als zivilisatorischer Störfaktor im Sinne von Müll und Abfall.
In den Totalansichten und Details der Bilder von Moni K. Huber begegnet man gerade im Aufzeigen zivilisatorischen Verfalls und dem Zerstörerischen derartiger Kräfte ihren Qualitäten, ihrer Symbolkraft, den Veränderungen und Symbiosen, die sie hervorrufen und in verschiedenartigen, ästhetisch anregenden Konstellationen weit über einen Zeitschnitt hinaus als neues Bildwerk zusammenfassen.
Kunst ist, was das Auge als Kunst sieht. Die Malerin beobachtet genau, bestimmt Motiv und Standort und lässt das oft und oft, zugleich aber auch immer wieder anders Gesehene ebenso anregend wie spannungsgeladen aufeinander treffen. Erste Blicke und Eindrücke sind da nur die Aufforderungen in etwas bereichernd einzudringen, das von eindeutigen künstlerischen Fakten bestimmt wird, doch zugleich den Betrachter der Bilder auf Basis veränderter Sichtweisen und Interpretationsmodelle in ein weitläufiges, kaum auszuschöpfendes visuelles Vabanquespiel einbezieht, das nicht zuletzt in Analogien und seiner philosophischen Dimension nahezu alle unserer Lebensbereiche tangiert.

P e t e r B a u m