Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0002

Wilhelm List

(Wien 1864 - 1918 Wien)

„Junge Frau in Unterwäsche“
nach 1911
Öl auf Leinwand
129 × 60 cm
Signiert links unten: W. List

Provenienz

deutscher Privatbesitz

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 80.000
Auktion ist beendet.

Die "Junge Frau in Unterwäsche" ist in einem typischen Jugendstilinterieur erfasst. Der Stoff des Sofas lässt sich eindeutig identifizieren, er wurde 1910/11 von Martha Alber für die Wiener Werkstätte entworfen. Im extremen Hochformat rückt der Maler sein Modell in den Vordergrund und gibt sie in greifbarer Nähe zum Betrachter wieder, während die Raumsituation undefiniert bleibt. Der gewählte Hintergrund in seinem kühlen Kolorit und der schlierenhaften Struktur erinnert an den Hintergrund des Porträts der Hermine Gallia von Gustav Klimt.
Die junge Frau wird in einem intimen, verträumten Moment dargestellt. Sie ist bis auf die Unterwäsche entkleidet, dem voyeuristischen Blick ausgesetzt. Nur das angezogene Bein und die auf dessen Knie abgelegte Hand bilden eine Barriere, die die junge, melancholisch wirkende Frau vom Betrachter isoliert. Die plissierten Rüschen des Unterrockes umspielen ihre Schenkel und lassen dennoch ein wenig Haut hervorblitzen. Ob die hübsche junge Frau, deren erotische Reize Wilhelm List in einer wunderbaren intimen Interieurszene einfängt, in einem Nahverhältnis zum Maler stand, bleibt unklar.

Wilhelm List wurde am 22. November 1864 in Wien geboren. Zuerst folgte er dem Wunsch seines Vaters und studierte Jura, doch wechselte er letztendlich zu Philosophie und Kunstgeschichte. Ein Jahr später, 1885, nach dem er seine Begeisterung für bildende Kunst entdeckt hatte, nahm er Zeichenunterricht und wurde kurz darauf für die Akademie der bildenden Künste in Wien zugelassen. Auf Anraten von Josef Maria Auchentaller ging List nach München, wo er unter anderem die Kunst von Franz von Stuck kennenlernte. Dieser Einfluss zeigt sich in zahlreichen Werken Lists. In Paris, wo es ihn 1894 hinführte, faszinierte ihn die sorglose Unbeschwertheit der Stadt. Bevor er zurück nach Wien kam, besuchte er seinen Freund Max Kurzweil in Frankreich und bereiste zahlreiche Länder wie Belgien, Deutschland und Italien. Letztendlich kehrte er 1897 nach Wien zurück. Unter der Führung Gustav Klimts wurde er Teil der Wiener Secession. Innerhalb dieser pflegte er intensive Freundschaften zu Max Kurzweil und Carl Moll. Im Jahr 1905 verließ er als Mitglied der Klimt-Gruppe die Secession. Daraufhin verlor er sich zunehmend in der Isolation. Am 10. Februar 1918 erlag der Künstler einem Lungenleiden. (AKE)