Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

0436

Gunter Damisch*

(Steyr 1958 - 2016 Wien)

„Rotes Welt- und Wegefeld“
1990er Jahre
Öl auf Leinwand
200 × 200 cm
Rückseitig signiert: Damisch

Provenienz

Aus einer österreichischen Sammlung

 € 20.000

Gunter Damisch ist einer der Hauptvertreter der „Neuen Wilden“ in Österreich. Das Tafelbild wird als neues, altes Medium propagiert. Typisch sind farbenreiche, mit expressiver Geste gemalte Bilder. Die Farbe als Gestaltungsmittel wird plastisch hervorgehoben, dem Pinselstrich kommt eine wichtige Bedeutung zu. Gunter Damisch’ Arbeiten sind gekennzeichnet durch einen pastosen Farbauftrag und ein ganz spezifisches Formenvokabular. Seine Leinwände sind bevölkert von kleinen, amöbenartigen Tierchen, von mit Strahlenkränzen umgebenen runde Formen, Schlangenlinien, stehenden Figuren (Flämmlern, Stehern) und herumschwirrenden Teilchen.

Mittels des Bildtitels führt Gunter Damisch eine weitere Ebene ein. Vorliegendes Bild nennt er „Rotes Welt- und Wegefeld“. „Das, was Damisch als Feld bezeichnet, ist meist ident mit der Bildfläche, die wiederum den farblichen Grundakkord des Bildes bestimmt... Die Welten sind runde Gebilde, in ihrem Umriss ähnlich mannigfaltig wie alle nur möglichen Kartoffelformen.“ (Wolfgang Drechsler, Kontinuität und Wandel. Zur Malerei von Gunter Damisch, in: Ausstellungskatalog, Gunter Damisch. Aus dem Weltengarten, Landesgalerie Oberösterreich, Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri und Eske Nannen, Linz-Emden 1999, S. 14) Die Wege sind die teils schlangenlinienförmig, teils horizontal über das Bild wandernden Linien in weiß und schwarz, die wie die runden Formen der Welten mit Strahlen oder Härchen versehen sind. Diese bezeichnet der Künstler auch als „Steher“, die die Welten bewohnen, diese aber auch verlassen, um auf den Wegen zu prominieren oder frei im Bildfeld herumzuwandern. Dazwischen sind glattere, großteils schwarze Formen, Figurenkürzel, die als Köpfe oder Körperteile wie Beine gedeutet werden können. Alles in dem Bild scheint in Bewegung geraten, die Welten und die sie begleitenden Formen wirbeln durcheinander, sie streben auseinander, um wieder zusammen zu finden. Teilweise sind sie vom Bildrand überschnitten, so hat man den Eindruck, dass sich alles bis ins Unendliche erstreckt und man wie durch ein Mikroskop nur auf einen kleinen Ausschnitt des unfassbaren Universums blickt. (Sophie Cieslar)