Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

0441

Xenia Hausner*

(Wien 1951)

„Eine Künstlerehe“
1995
Acryl auf Hartfaser
172 × 236 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: X. H. 95

Provenienz

im Kinsky, Auktion am 02. 12. 2008, lot 346; europäische Privatsammlung

Literatur

Wieland Schmid (Hg.), Xenia Hausner, Kampfzone, Ausst.-Kat. Käthe-Kollwitz-Museum, Berlin 2000, Abb. 198, 199 und 200

€ 35.000

Xenia Hausners Bilder bestechen durch ihre verführerische Präsenz, die uns emotional in den Bann zu ziehen vermag. Ihre mit kräftigen Farbkontrasten, aber auch feinen Nuancen spielende Palette, die große malerische Versiertheit verrät, unterlegt die Künstlerin mit der sensiblen Suggestion psychischer Befindlichkeiten.

Xenia Hausner inszeniert ihre Malerei, wie das Theater ein Drama inszeniert. Aber sie inszeniert nicht für die Bühne, was sie in Szene setzt, sind Bilder. Bilder des zeitgenössischen Lebens, die uns oft mehr über dieses Leben sagen als so manches Theaterstück, das in diesen Jahren über unsere Bühnen gegangen ist. Xenia Hausners Bilder scheinen, wenn wir der lockeren, souverän gesetzten Pinselschrift glauben wollen, spontan entstanden. In Wahrheit sind sie genau kalkuliert. Jedes Requisit ist an seinem Platz, jede Farbe bewußt gesetzt, kein Detail dem Zufall überlassen. Xenia Hausners Menschenportraits kennen nur Hauptdarsteller, keine Statisten. Jedes Gesicht ist ihr wichtig. Alles, was erscheint, hat Bedeutung. Die Malerin spricht, wenn sie an die einem Menschen beige gebenen Attribute denkt, gerne von der 'geheimen Chiffre', von etwas, das sich als 'Codewort ins Bild drängt und zu einem verräterischen Hinweis' auf eine Biographie werden kann. (…)
Die Bilder der Xenia Hausner erzählen keine Geschichten. Sie beginnen jenseits alles Anekdotischen. Aber die Künstlerin suggeriert, dass es solche Geschichten gibt, daß da Geschichten hinter den Bildern sind, die sie selbst nicht kennt, daß jeder ihrer Menschen viele solcher Geschichten in sich trägt. Darum kann sie ihre Bilder auch "Liebesfragmente" nennen, darum erscheinen sie uns so oft als Fragmente von Liebesgeschichten, als Bruchstücke unbekannter Lebensromane. Und darum kann Xenia Hausner auch davon sprechen, daß ihre Bilder oft im "Verlauf der Entstehung eine überraschende Wendung" nehmen und vom Kurs abweichen können, der in ihrer Konzeption angelegt war. Ein Bild macht sich dann selbständig und gewinnt sein Eigenleben. 'Es wird', sagt Xenia Hausner, 'zu einer Wahrheit jenseits des Gemalten…'. Die Figuren nabeln sich von der Malerin ab, wenn diese einmal den Pinsel aus der Hand gelegt hat, und führen ihre eigene, unabhängige Existenz, beginnen vielleicht gar eine geheime Konspiration mit dem Betrachter. (Wieland Schmied)