Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

0469

Joannis Avramidis*

(Batumi/Georgien 1922 - 2016 Wien)

„Kleine Figur I“
1963
Bronze Auflage 6 (0/6 + PA/6)
H. 40 cm
Signiert am Sockel: AVRAMIDIS 6

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Literatur

Ausstellungskatalog, Joannis Avramidis. Skulpturen, Malerei, Zeichnungen, Galerie Welz, Salzburg 2004, Kat. Nr. 30

€ 30.000 - 50.000

Die Kleine Figur I gehört zu einem Werkkreis, den Joannis Avramidis in den späten 1950er Jahren begann und dessen philosophisch verankerte, abstrahierende Übersetzung des menschlichen Körpers den Künstler lange beschäftigte. Große, kleine und auch vielfigurige Varianten entstanden, denen allesamt ihre äußerste formale und innere Reduktion zu eigen ist, jedoch niemals ohne eine berührende Menschlichkeit auszuströmen und das Vorbild Natur in ihrem tiefsten Wesen wirken lässt. Wieland Schmied bescheinigt den Figuren eine Freiheit von jeder Pose, eine uneitle Unabhängigkeit (Galerie Welz, 2004, S. 5). Joannis Avramidis erklärte selbst den Kampf zwischen dem Studium der Natur und deren künstlerischer Abstraktion als das „schlechthin Schöpferische“ (1985, zitiert nach W. Schmied, Galerie Welz 2004, S. 8). Betrachtet man die Fülle seines Oeuvres, so wird die sorgfältige Suche des Bildhauers nach Ausdrucksformen des Wesentlichen im Bezug auf Körper deutlich. Immer bleibt seine verdichtende Bildsprache klar, durchdrungen von der Klarheit des Findenden.
Gerade in den kleinen Bronzeskulpturen wird sichtbar, dass die formalen Resultate des Bildhauers Gültigkeit besitzen und mit ihrer unaufgeregten, gebündelt stillen und doch intensiv gestalthaften Präsenz die Herausforderung dieses Formates bestehen. Im Jahr 1963 entstanden, reflektiert die Kleine Figur I die Überlegungen Avramidis´ der frühen 1960er Jahre, wie auch die Zeichnungen dieser Zeit belegen. Er tastet sich den Körperkonturen entlang in das Wesen einer Figur, die sich zu zwei oder mehreren zu teilen scheint und dadurch eine Ambivalenz zu Tage bringt, die gleichzeitig die vollständige Einheit einer komplexen Gestalt vermittelt, wie der Mensch sie als Ideal darstellt.
Avramidis greift innere Strukturen auf, die sich auf der Oberfläche, wie auch bei der Kleinen Figur I zu sehen ist, durch Einzüge und Vervielfältigung von Formelementen äußern und dem Betrachter die Körperhaftigkeit der abstrahierten Form empfinden lässt. Wie Werner Hofmann in Bezug auf einen Vierfomenkopf von 1956 treffend beschreibt, kann auch die Gestaltung der hier vorgestellten Skulptur nachvollzogen werden. Ein „lineares Kontinuum, das in sanften Schwingungen die Möglichkeit eines Profilkopfes anklingen lässt“ (Werner Hofmann. Avramidis. 1928-2013. München 2011, S. 21). (Claudia Lehner-Jobst)