Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

07. Oktober 2014, 16:00 Uhr

0302

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Hutmann“
1969
Eitempera auf Leinwand
80 × 80 cm
Signiert und datiert rechts unten: Mweiler 69
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Weiler 69 "Hutmann"

Ausstellung

1970 Innsbruck, Galerie im Taxispalais; 1970 Graz, Neue Galerie am Landesmuseum Joaneum;

Literatur

Almut Krapf, Max Weiler. Werkverzeichnis der Bilder von 1932 bis 1974, Salzburg 1975, WV-Nr. 683, S. 324; Galerie im Taxispalais (Hg.), MWeiler70, Ausstellungskatalog, Innsbruck 1970, Kat. Abb. o.S.; Neue Galerie am Landesmuseum Joaneum (Hg.), Max Weiler, Ausstellungskatalog, Graz 1970, Kat. 27, Abb. Umschlagrückseite;

Die Arbeit ist im Werkverzeichnis "Max Weiler, 1910-2001" von Almut Krapf unter der Werkverzeichnisnummer Krapf WV Nr. 683 angeführt.

€ 35.000 - 70.000

In seinen eigenen, aus dem Zufall und dem Arbeitsprozess entstandenen Probierblättern eröffneten sich für Weiler ab 1962 sowohl eine unerschöpfliche Quelle malerischer Inspiration als auch ein Universum assoziativer Bedeutungen. So sehr er damit auch am Ziel seines Strebens nach einer nur ihm gehörigen malerischen Form angelangt war — seiner Vision der Einheit von Natur und Malerei — so wenig endete damit seine jahrzehntelange intensive Arbeit am malerischen Handwerk. Auch der neu gefundene Reichtum an Formen und Farben musste erst einmal untersucht, in Besitz genommen, gebändigt, gezähmt werden. So konstatieren wir, wie davor auf Weilers Wegen zur Abstraktion — jetzt auf der Basis der Probierblätter — deutlich unterscheidbare Phasen malerischer Experimente und Entwicklungen. Wohl am prägnantesten ist die, der „tönenden Gründe“ wie Weiler sie nannte, heftige (Farb –) Töne und affektive Resonanzen meinend. Die bisher durchscheinenden, lichten Bildgründe, oft nur die weiß grundierte Leinwand, werden nun durch starke und satte ersetzt, die sich vordrängen und kompositionell mitspielen. Es kommt also zu einer totalen Umdrehung der bisherigen visuellen Ordnung. Es entstehen Bilder, die explizit aus Farbe gemacht sind und aus der Farbe ihren Ausdruck beziehen. Sie sind von hoher Künstlichkeit im Gegensatz zur vorherigen, der Vorstellungskraft Raum lassenden offenen „Malerei wie die Natur“.

Der Hutmann ist ein stilistisch prägnantes, malerisch attraktives, durch sein Motiv beziehungsweise seinen Titel auch extravagantes Beispiel dieser kurzen aber intensiven Werkphase. Dürfte es sich doch um das einzige Werk dieser Periode handeln, das nicht Landschaftliches im weitesten Sinne thematisiert beziehungsweise in glühenden Farben Prunk und Pracht der Natur zum Ausdruck bringt. In der Farbe vornehmlich erdig statt sonnendurchglüht, räumlich flach, statt unbestimmte Weiten öffnend, ist dieses Bild ein hochinteressanter Solitär. Wir sehen eine vieldeutige groteske Figur, eine Büste, wenn man den streifenartigen unteren Bildteil als Sockel interpretiert, umgeben von Buntfarbigem und Fleckigem. Ein vergnüglicher Ausflug Max Weilers ins Groteske und Surreale, ein Ausbruch aus dem Cliché des Landschaftsmalers?
(Prof. Edelbert Köb)