Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

24. Juni 2014, 16:30 Uhr

0250

Karl Stuhlmueller

(München 1858 - 1930 Wien)

„Viehmarkt in Berching“
Öl auf Holz
39,5 × 60 cm
Signiert und bezeichnet rechts unten: K. Stuhlmüller München

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Schätzpreis: € 5.000 - 10.000
Ergebnis: € 4.000
Auktion ist beendet.

Die Landschaftsmalerei der Münchener Schule

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kristallisierte sich München immer mehr zur dominierenden Kunststadt im deutschsprachigen Raum heraus. Grundlage bzw. Voraussetzung dafür waren das Mäzenatentum der bayerischen Könige von Ludwig I. bis Ludwig II. sowie der ausgezeichnete Ruf der Münchener Akademie und ihrer Direktoren, zunächst Karl von Piloty, dann Franz von Lenbach. Auch die Nähe Münchens zu Paris förderte ein offenes und experimentelleres Klima als es z.B. in Wien zur selben Zeit möglich war, das u.a. auch zur höchsten Dichte an Kunstschaffenden aus allen Gegenden Europas in der Stadt führte. Verschiedene Kunstschulen boten der wachsenden Nachfrage die gesuchte Anlaufstelle und ähnlich wie in Paris entwickelte sich im Weiteren ein florierender Kunstmarkt.

Die später als „Münchener Schule“ bezeichnete Stilphase entwickelte sich im Kreis der Akademie und umfasste zunächst die dominierende Gattung der Historienmalerei, des Porträts und schließlich der Landschaft. Letztere erfreute sich vor allem der Gunst des Publikums, der Markt war gut und manche dieser Maler konnten sich eines guten bis luxuriösen Lebensabend erfreuen. Dieser Erfolg hielt noch lange an, ihre Bilder gehörten im ganzen 20. Jahrhundert in jede „gute“ Sammlung und der Preis spielte eine untergeordnete Rolle.

Was diese Malerei kennzeichnet, ist die Liebe für die Wirklichkeit, ist das Experimentieren mit neuen Malweisen, um der authentischen Wiedergabe gerecht zu werden. Vieles kumuliert in diesen Bildern: der Stil der alten Niederländer, das dunklere Kolorit der Barbizon Schule, die stichwortartigen Einflüsse des französischen Impressionismus. Die Motive sind wenig „aufregend“, sie konzentrieren sich auf den Alltag am Land und in der Stadt auf idyllische Szenen am See, auf die Unterschiede der Jahreszeiten – auf die Spuren des Sichtbaren eben. Die spätere Entwicklung der Moderne, die um 1900 in ziemlich rasanter und radikaler Weise einsetzte, ließ diese subtile Modernität in der Geschichte der Landschaftsmalerei im heutigen konzentrierten Fokus auf die Moderne in den Hintergrund rücken. Zu Unrecht wie unsere Auswahl aus einer Privatsammlung unter Beweis stellt. (MHH)