Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

24. Juni 2014, 18:00 Uhr

0410

Stephan Kessler

(Donauwörth 1622 - 1700 Brixen)

„Der Einzug Kleopatras in Rom“
um 1680
Öl auf Leinwand
98 × 179 cm

Provenienz

Österreichischer Privatbesitz

Wir danken Dr. Johann Kronbichler, Brixen, für die Besichtigung des vorliegenden Gemäldes im Original. Ebenfalls danken wir Pater Gregor, Stift Göttweig, für seine Hilfe bei der Bestimmung des Bildsujets.

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 28.571
Auktion ist beendet.

46 v. Chr. feierte Julius Cäsar seinen großen Vierfachtriumph über Gallien, Ägypten, Pontos und Mauretanien. Es ist überliefert dass auch Kleopatra, die Ägyptische Monarchin und Geliebte Cäsars, im selben Jahr mit großem Gefolge nach Rom zog um das Bündnis zwischen dem Land am Nil und dem Römischen Reich zu besiegeln.

Eine grandiose Stadtarchitektur bildet auf vorliegendem Gemälde die prunkvolle Bühnenkulisse für das Hauptgeschehen am unteren Bildrand. Der Festzug führt vom rechten Bildrand in die Tiefe und kommt in der Bildmitte, links neben der Triumphsäule, wieder auf den Betrachter zu. Die Hauptperson des Zuges, Kleopatra, ist prunkvoll gewandet, mit einem Baldachin hinterfangen und schreitet über einen vor ihr ausgebreiteten roten Teppich. Sie ist in dem Moment dargestellt, kurz bevor sie den prächtigen Palast am linken Bildrand betritt, dessen prächtige, skulpturengeschmückte Fassade das vorliegende Gemälde dominiert. Nicht nur der Eingang des Gebäudes sondern auch der Boden davor ist mit Blumen geschmückt. Links ist ein sechsspänniger Prunkwagen zu sehen. Am rechten Rand bildet wiederum ein weißes Pferd den Bildschluss. Im Hintergrund zwischen der römischen Fahne und der Triumphsäule sind gar einige Kamele zu erkennen. Diese entsprechen in ihrem Typus jenem Kamel, welches Stephan Kessler auch in seiner Darstellung des Kontinents Asien „Asia, um 1680“ zeigt (vgl. Leo Andergassen/ Helmut Stampfer (HRSG.), Stephan Kessler 1622 - 1700. Ein Tiroler Maler der Rubenszeit. Katalog zur Sonderausstellung 1. Juni - 31. Oktober 2005, Brixen 2005. Kat. 66).
Wie für die Gemälde Stephan Kesslers charakteristisch wird viel Wert auf die Ausgestaltung der Gewänder gelegt. Alle Figuren des Festzuges sind in den unterschiedlichsten Kostümen dargestellt. In einer reizvollen Mischung aus barocken Gewändern und Phantasiekostümen spiegelt das Gemälde wieder, wie man sich im 17. Jahrhundert wohl Besucher aus dem Orient und das Leben in der römischen Kaiserzeit vorstellte.

Möglicherweise zog Stephan Kessler bei der exzellent ausgeführten Architektur einen auf Architekturmalerei spezialisierten Malerkollegen hinzu. In ihrer Anlage und Gestaltung erinnert sie an die prunkvollen, manieristischen Architekturen, beispielsweise von Hans Vredeman de Vries (1525-1609). In Perspektive, Lichtspiel und Qualität vergleichbare Architekturelemente finden sich jedoch auch auf weiteren Werken Stephan Kesslers, wie dem „Gleichnis vom himmlischen Hochzeitsmal, 1682“ (vgl. Ausst.-Kat. Stephan Kessler 2005, Abb. 8) oder der „Vertreibung Heliodors aus dem Tempel, um 1670“ (Ausst.-Kat. Stephan Kessler 2005, Kat. 4, Versteigerung im Kinsky, 15. März 2005, Nr. 18, Verkaufspreis € 55.000).