Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0035

Friedrich von Amerling

(Wien 1803 - 1887 Wien)

„Regine in griechischem Kostüm“
1842
Öl auf Leinwand
124 × 105,5 cm
Signiert und datiert links unten: FrAmerling / 1842

Provenienz

König Wilhelm II. von Württemberg, Schloß Rosenstein; 1922 Versteigerung durch Felix Fleischhauer, Stuttgart, Nr. 2; ehemals Sammlung Leopold

Literatur

Versteigerungskatalog Felix Fleischhauer, Stuttgart, 10.10.1922, Nr. 2 mit Abb.; Günther Probszt, Friedrich von Amerling, Wien 1927, S. 132, Nr. 588

€ 50.000 - 100.000

Jung und schön waren sie alle, die weiblichen Modelle von Amerling. Der unbestrittene Meister der österreichischen Porträtmalerei um die Mitte des 19. Jahrhunderts legte darauf größten Wert, und der Erfolg gab ihm Recht. Als Porträtist des österreichischen Hochadels und Großbürgertums machte er sich früh einen Namen. Beeinflusst von der Porträtkunst des Engländers Thomas Lawrence, die er in London 1827/28 kennenlernte, sammelte er Zeit seines Lebens auf ausgedehnten Studienreisen, die ihn unter anderem nach Italien, Spanien, Griechenland, Palästina und Ägypten führten, Eindrücke, die er in seinen Werken verarbeitete.

Die Jahre 1840 bis 1842 verbrachte Amerling in Rom. Bei diesem Aufenthalt entstanden bezaubernde Porträts von jungen Italienerinnen in Landestracht. Auch unser Gemälde ist in diese Zeit zu datierten. Die junge Frau wird im Werkverzeichnis von Probszt mit Namen genannt: „Regine in griechischem Kostüm“. Ganz der Orientmode entsprechend, schuf Amerling ein Werk, welches Genre und Porträt vereinigt und in der Nachfolge der berühmten "Morgenländerin" (Probszt-Nr. 420) und "Lautenspielerin" (Probszt-Nr. 431) aus dem Jahr 1938 zu sehen ist.

Die Dargestellte diente dem Künstler mehrmals als Modell und ihre Züge sind sehr individuell gestaltet. Regine sitzt wie eine Orientalin auf Kissen gestützt, mit überkreuzten Beinen, auf einem farbenprächtigen Teppich. Ihr verträumter Blick geht ins Leere. Vor ihren Füßen liegt ein Notenheft, dem sie keine Beachtung schenkt, mit ihrer rechten Hand hält sie gedankenverloren eine Laute. Einer Haremsdame gleich hat der Künstler die junge Frau gemalt und zeigt dem Betrachter seine Vorstellung eines imaginären Orients.

Amerling brachte mit der Darstellung dieser dunkelhaarigen Schönheit in ihrem Kostüm aus farbenfrohen, golddurchwirkten Stoffen, einen Hauch von Exotik in das biedermeierliche Wien, dessen Bürger mit größter Begeisterung diese Mode aufgenommen haben. (MS)