Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0050

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Die Freundinnen“
1916/17
Bleistift auf Papier
50 × 32,3 cm
Bestätigung von Hermine Klimt rechts unten: Nachlass meines Bruders Gustav / Hermine Klimt

Provenienz

Sammlung Primavesi;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1912 - 1918, Bd. III, Salzburg 1984, vgl. WV-Nr. 2799, Abb. S. 154 sowie S. 169 (Drei stehende Mädchenakte)

Das Blatt wird von Frau Dr. Marian Bisanz-Prakken in den Nachtrag des Werkverzeichnisses aufgenommen.

€ 70.000

Die vorliegende, vorzügliche Zeichnung von Museumsqualität mit der Darstellung dreier stehender weiblicher Akte, wurde von Gustav Klimt um 1917 geschaffen und von seiner Schwester Hermine Klimt mit der von ihr häufig gebrauchten Wendung „Nachlass meines Bruders Gustav“ autorisiert. Im Vergleich zu Zeichnungen, die Alice Strobl im dritten Band ihres Werkverzeichnisses der Zeichnungen von Gustav Klimt abbildet und bespricht, gehört die vorliegende Zeichnung zweifellos zu einer größeren Gruppe von Blättern, die mit dem Gemälde „Die Freundinnen“ (Dobai Nr. 201) zusammenhängen. Es handelt sich dabei durchwegs um stehende weibliche Akte, meistens einzeln, mehrfach zu zweit und nur in einem – allerdings dem zeichnerisch hochwertigsten – Fall um drei nackte stehende Frauen (WV-Nr. 2799).
Das vorliegende Blatt zeigt eine außerordentlich qualitätsvolle Variante dieser Zeichnung. Sie entstand vermutlich am selben Tag nach denselben Modellen, wobei es durchaus vorstellbar ist, dass es sich dabei nur um ein einziges Modell gehandelt hat, das Klimt „verdreifacht“ zu einem Gruppenbild versammelt. Der mondäne Frauentyp zeichnet sich durch schlanke Formen, kleinen Busen und schmale Hüften aus. Die Verdreifachung des Aktes erlaubt ein zartes rhythmisches Linienspiel, das die Räumlichkeit der Darstellung reduziert und eine mehr ornamenthafte Auffassung der Konturen fördert.
Zu diesen durchaus symbolistischen Gestaltungsprinzipien tritt aber hier – wie im zeichnerischen Spätwerk Klimts ganz allgemein – eine spezifische Expressivierung des Strichs. Klimt arbeitet nun nicht mehr mit langen weichen Linienzügen, sondern löst die Umrisse in eine Folge kurzer, nervöser Strichlagen auf, als würde er immer wieder neu ansetzen, sich immer wieder neu des Gesehenen versichern müssen. Im Gegensatz zum ruhigen, eleganten Linienfluss des Symbolismus, entsteht dadurch eine vibrierende Atmosphäre, die etwas Momentanes, Augenblickliches, atmend Lebendiges vermittelt.
(Otmar Rychlik)