Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0073

Norbertine Bresslern-Roth*

(Graz 1891 - 1978 Graz)

„Ruhende Diana“
1933
Öl auf Jute
126 × 156 cm
Signiert links unten: N. Br. Roth
Rückseitig bezeichnet: "Ruh. Diana" Öl

Provenienz

Galerie G., Heidelberg; Privatbesitz, Berlin

€ 52.000

Norbertine Bresslern-Roth kann als bedeutendste Tiermalerin in der österreichischen Kunst der Moderne bezeichnet werden. Der Mensch nimmt in ihrer Bilderwelt nur eine untergeordnete Rolle ein. Selbst in der Reihe ihrer "Südsee-Akte", wo sie der Menschendarstellung zentrale Bedeutung verleiht, verzichtet die Malerin nicht auf die Umrahmung der exotischen Schönheiten mit Tieren. Das eigentliche Thema ist hier die Vision eines harmonischen Miteinanders von Mensch und Tier in einer unberührten, paradiesisch anmutenden Natur.
Die Darstellung der ruhenden Jagdgöttin Diana ist für Norbertine Bresslern-Roth ein prädestiniertes Bildthema. Für die Malerin fungiert das mythologische Sujet als Vorwand, um die Schilderung eines friedlichen Zusammenseins von Mensch und Tier in einem Südsee-Idyll mythologisch zu legitimieren. Mit kompositorischer Raffinesse präsentiert Bresslern-Roth die nackte Diana genau auf der Bilddiagonale und in unmittelbarer, fast greifbarer Nähe zum Betrachter. Ihr dunkler Teint korrespondiert mit den exotischen Pflanzen der Umgebung und dem Ausblick auf das rauschende Meer im Zentrum des Bildes - ein Sehnsuchtsmotiv, das den romantischen Stimmungsgehalt des Bildes verdichtet. Während ihre Jagdhunde friedlich zu Ihren Füßen lagern und sich an ihren Körper schmiegen, streckt Diana ihre rechte Hand einer Gazelle entgegen, um das Tier sanft an ihrem Finger schlecken zu lassen. Diese zärtliche Geste, hat die Aufmerksamkeit einer Hündin erregt, die ihre kleinen Welpen säugt.

Bresslern-Roths Gemälde fanden schon in den 1920er Jahren internationale Resonanz und wurden weltweit gesammelt. Ihre erste künstlerische Ausbildung genoss die Malerin an der Steirischen Landeskunstschule und an der Tiermalschule in Dachau. In Wien zeigte sich Ferdinand Schmutzer 1912 derart beeindruckt von ihrem Talent, dass er sie in sein Akademieatelier aufnahm, obwohl Frauen offiziell erst ab 1921 an der Kunstakademie studieren durften. Nach einer erfolgreichen ersten Ausstellung in der Wiener Secession 1914 ließ sich Norbertine Roth 1916 als freischaffende Künstlerin in Graz nieder. Den eigentlichen künstlerischen Durchbruch erlebte sie 1918 mit einer ersten Personale in ihrer Heimatstadt. (CMG)