Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

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Gerhart Frankl*

(Wien 1901 - 1965 Wien)

„Attentäter Battisti“
1948
Öl auf Leinwand
95 × 107 cm
Rückseitig am Keilrahmen bezeichnet und datiert: "Battisti and other Figures" 1948

Provenienz

ehemals Sammlung Leopold

Wir danken Julian Sofaer für die Echtheitsbestätigung des Bildes (per e-mail am 17. 10. 2013). Das Bild ist im Oeuvre Catalogue, Gerhart Frankl Memorial Trust, London, erfasst.

€ 40.000

Die Gestalt der Welt und seiner Dinge als Konstrukt von Formen und Farben zu erfassen, hat Gerhart Frankl, beeinflusst von der Malerei Paul Cézannes, bereits als junger Maler nach einer ersten Schulung im Umfeld des Nötscher Kreises besonders fasziniert und sich kontinuierlich damit auseinandergesetzt. Die kristallinene Schärfe, geerdet durch dunkle, gedämpfte Töne wie im vorliegenden Gemälde nimmt dennoch in seinem Werk eine besondere Stellung ein und ist daher in mehrerer Hinsicht ein bedeutendes künstlerisches Zeitdokument.

Frankl war 1938 nach London emigriert, wo er sich während der Kriegsjahre hauptsächlich mit Landschaften und Stadtsilhouetten beschäftigt hatte. 1947 kehrte er hoffnungsvoll aber glücklos für 16 Monate nach Wien zurück und malte in diesem Jahr Ansichten von Wien vom Belvedere aus sowie dieses Gemälde mit der Hinrichtung des italienischen Revolutionärs Cesare Battisti aus dem Jahr 1916. Die Vorlage bildete ein Dokumentationsfoto, das 1916 veröffentlicht wurde und das Karl Kraus als Titelbild seiner Buchausgabe „Die letzten Tage der Menschheit“ abdrucken ließ. Für Kraus war die Hinrichtung des fanatisierten Irredentisten nicht Triumph sondern Symbol für den Untergang des Vielvölkerstaates Österreichs. Frankl hatte dieses Foto bereits 1931 für eine Radierung herangezogen, bevor er es 1947/48 – unfähig die Schrecken des 2. Krieges zu thematisieren – für eine Serie von sechs aquarellierten Zeichnungen und einem Gemälde neu verarbeitete (vgl. Gerhart Frankl, Katalog zur Ausstellung in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien, 10. Dezember 1999 bis 5. März 2000, S. 50 sowie S. 142).

Bezeichnend für diese kurze Werkphase unmittelbar nach dem Krieg sind die Monumentalität der Bildmaße sowie eine spezifische „Farbparzellenmalerei“ (Cornelia Reiter), bei der die Formen in kubistischer Manier aufgesplittert, kräftig umrahmt und mit dunkeln Farben gefüllt werden. Frankl greift hier also auf ein bereits in der Moderne verankertes Stilmittel zurück, um für seine eigene seelische Erschütterung ein malerisches Synonym zu finden. Rein stilistisch markiert dieses Bild eine interessante und für die Nachkriegszeit typische Auseinandersetzung, wie sich Form konstruktiv bis hin zur Abstraktion verändern lässt. Nur wenige Jahre später wird sich Frankl jedoch zu einer rein malerischen Auflösung des Gegenständlichen hinwenden. (MHH)