Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0098

Gerhart Frankl*

(Wien 1901 - 1965 Wien)

„Blick auf Wien“
1948
Aquarell auf Papier
38,5 × 56,3 cm

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Gerhart Frankl (1901 - 1965). Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen, Katalog Galerie Welz, Salzburg 1990, Abb. Nr. 98

€ 7.000 - 14.000

Der österreichische Nachexpressionist Gerhart Frankl, der 1938 Wien verließ und zusammen mit seiner Frau nach London emigrieren musste, hat diese ungewöhnlich lebendige, beinahe schon informelle Wien-Ansicht 1948 geschaffen. 1947 kehrte der Künstler in seine Heimatstadt zurück, seine provisorische Bleibe im Belvedere währte jedoch nur ein Jahr, nicht zuletzt deshalb, weil eventuelle Chancen auf eine Professur an der Akademie der bildenden Künste nicht realisiert werden konnten.
Frankl gelingt mit diesem Blatt eine geographisch geraffte, improvisatorisch anmutende, graphisch reiche und reizvolle Stadtvedute mit viel Sinn für Atmosphärisches. Gezeichnet, beziehungsweise gemalt hat der Künstler die Ansicht vom Oberen Belvedere aus, dem Lieblingsort seines damaligen Wien-Aufenthaltes, an dem eine größere, an das Motiv gebundene, emotional und stilistisch jedoch durchaus kontrastreich variierende Werkgruppe von Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen entstand.
Einer Partitur nicht unähnlich verbinden und verdichten sich in unserem "Blick auf Wien" das Vibrato einer Federzeichnung mit schwarzer Tusche mit den aquarellistisch gesetzten horizontalen Querbalken und den vielen farbigen Akzenten, die dem Blatt Transparenz aber auch Gelöstheit verleihen.
Es bleibt Spekulation, ob Frankl, der sein Oeuvre stets mit großer Gewissenhaftigkeit weiterentwickelte, hier nicht so etwas wie einen Brückenschlag zur damaligen Avantgarde mit ihrem Bekenntnis zu autonomer, gestisch bestimmter Abstraktion riskierte, wie man sie von der École de Paris her kannte, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Siegeszug um die Welt antrat.
(Peter Baum)