Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0127

Otto Muehl*

(Burgenland 1925 - 2013 Portugal)

„Kreuzigung“
1984
Öl auf Leinwand
130 × 160 cm
Signiert und datiert rechts unten: M 8.4.84

Provenienz

ehemals Sammlung Leopold.

Literatur

Leopold Museum (Hg.), Otto Muehl, Sammlung Leopold, Wien 2010, Abb. S. 139

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 90.000
Auktion ist beendet.

Otto Muehl weiß zu provozieren. Kunst ist für ihn auch kritische Weltsicht. Sie soll nicht bequem sein, sie soll wachrütteln, sie soll Grenzen sprengen und revoltieren gegen Zwänge, gegen das Kleinbürgertüm, gegen alles Spießige und Banale. In den 1970er Jahren führt diese Revolte zur Gründung einer Kommune, die ab 1972 am Friedrichshof im Burgenland ihre Heimstatt findet, später auch auf La Gomerra in Spanien. Künstlerisch bricht man schon ab 1962 auf provokante Weise alle Tabus. Im Wiener Aktionismus greifen Otto Muehl, Günter Brus, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler das Konzept der amerikanischen Happening- und Fluxuskunst auf und schockieren mit ihren Aktionen das konservative Wiener Publikum. In dieser Zeit findet Muehl zu einer neuen Sprache, der „Sprache des Bauches. Sie ist viel echter. Rülpsen, Scheißen, Brunzen, Atmen, Röcheln. Der anderen ist zu mißtrauen. Es gibt praktisch keine Literatur mehr, das hat auch der Dadaismus geglaubt. Die Sprache ist total vom Staat eingenommen, man kann eigentlich kein vernünftiges Wort mehr sagen. Und der Aktionismus hat es zum Ausdruck gebracht“ (Danièle Roussel (Hg.), Otto Mühl. Aus dem Gefängnis. 1991 – 1997. Briefe / Gespräche / Bilder, Klagenfurt 1997, S. 119).

Ab 1974 beginnt Otto Muehl auch wieder zu malen, dabei variiert er in unterschiedlichen Werkphasen Themen und Malstile, setzt sich mit den großen Inkunabeln der Kunstgeschichte wie Cézanne, Kokoschka, Gerstl, Duchamp oder Picasso auseinander. 1984, dem Entstehungsjahr der „Kreuzigung“, ist es Vincent Van Gogh, dessen Bilder ihn zu einer ganzen Serie inspirieren. Der Künstler im Doppelportrait schneidet sich gemeinsam mit Otto Muehl das Ohr ab, kopuliert mit Ziegen in seinem Schlafzimmer oder jagt nackte Frauen vor der Kirche von Auvers. „Die Schönheit der Kunst liegt in der Perversion.“ (Otto Muehl, s.o., S. 15). In der „Kreuzigung“ sieht die Christusfigur aus wie Vincent Van Gogh. Das Kreuz liegt extrem schräggestellt auf einer Wiese. Rundherum tummeln sich grün-rosa Gestalten mit höhnischen Fratzen und gebleckten Zähnen, die den Heiland verspotten und erniedrigen. Links unten fasst eine den Kopf des Gemarterten und dreht ihn in Richtung Betrachter. Rechts im Bild sieht man zwei ineinander verkrallte Figuren, von denen eine auf den Heiland uriniert. Links ein sphinxähnliches Wesen, das wollüstig das Glied des Gekreuzigten ergriffen hat und mit der rechten Hand eine Peitsche schwingt. Die gewaltsame Szene wird noch durch die äußerst expressive Malerei unterstrichen. Die Spannung zwischen Eros und Tod, zwischen „Trieb-Ich und Kultur-Ich“ (Peter Gorsen in: Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk. Aktion Utopie Malerei 1960 – 2004, Ausstellungskatalog, MAK, Wien 2004, S. 12) prägt diese Arbeit und schafft eine „gegenständliche Bildwelt von plakativer Simplizität und Wucht“ (Gorsen, s.o., S. 14). (Sophie Cieslar)