Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

13. Mai 2014, 17:00 Uhr

0113

Siegfried Anzinger*

(Weyer 1953)

„Madonna mit weißem Löwen“
2002
Leimfarbe auf Leinwand
120 × 140 cm
Rückseitig signiert und datiert: S. Anzinger 2002

Provenienz

österreichische Privatsammlung

€ 20.000 - 40.000

Siegfried Anzinger ist seit vielen Jahren für seine Malerei mit Leimfarbe bekannt. Eine dünne, transparente Farbe, die nicht korrigierbar, nur abwaschbar ist, und die der Maler daher mit kompositorischer Sicherheit auftragen muss. Striche und Linien dienen dazu, Formen und Ausdruck entstehen zu lassen. Er spinnt sie um seine Figuren und reizt mit Anspielungen den schmalen Grat zwischen Provokation und Ernsthaftigkeit aus. Immer öfter hat Anzinger im letzten Jahrzehnt Themen aus der Schöpfungsgeschichte für seine Werke bemüht. So sind neben der knienden Madonna im blauen Gewand auch noch ein Affe und ein Löwe als Verweise auf biblische Erzählungen zu sehen. Für den Künstler ist nicht einzig das Motiv, sondern vielmehr dessen Umsetzung als reine Malerei von Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb arbeitet Anzinger oft parallel an Serien von drei bis vier Bildern. Seine jüngste Personale dieses Frühjahr im Bank Austria Kunstforum zeigt deutlich wie das populär Comic-hafte in seiner Arbeit mit der klassisch ernsthaften Malerei verschmilzt.
Siegfried Anzinger lebt sehr zurückgezogen. 1953 in Oberösterreich geboren, ging er nach dem Studium an der Akademie nach Köln und Düsseldorf, wo er als Professor tätig ist. Inspiration findet Anzinger in seinen großen Vorbildern El Greco, Rubens, Maulbertsch oder auch Rembrandt, dessen Zeichnung von „Hieronymus mit dem Löwen“ immer wieder in Anzingers Arbeiten einfließt. Viele Pastelle und Zeichnungen dienen als Vorarbeit für die matten, Fresko-artig schimmernden Gemälde des Künstlers, mit denen er zu einem ganz großen Vertreter der österreichischen Malerei zählt. (Clarissa Mayer-Heinisch)