This lot was part of 84th Auction on Tue, 10 May 2011, 12 AM CET.
Archive: Lot 0135 zoom

0135

Hubert Scheibl*

Memex D V

estimate € 18,000 - 35,000

Hammer price € 16,000
(without premium)

Hubert Scheibl*
(Gmunden/OÖ 1952 geb.)

Memex D V
Öl auf Leinwand
174 x 140 cm
1999/2000
Rückseitig signiert, datiert und betitelt: Hubert Scheibl, 1999/2000, MEMEX D V
Provenienz: österreichischer Privatbesitz

Literatur: Katalog zur Ausstellung "Liquid Mind", Crac Alsace 2001, S. 16 (Abb.)


"Malerei ist für mich ein Medium, das mir ermöglicht, Erkenntnisse zu machen, die mit meinem System zu denken, zu fühlen und zu schauen zu tun haben. In keinem anderen künstlerischen Medium ist der Schaffensprozeß so direkt an die Bewegung des menschlichen Körpers gebunden." (Hubert Scheibl).


In Hubert Scheibl Werk, wo die Farbe zum Lichtzustand erhoben wird, ist sie stets eine fließende Projektion zwischen Erscheinen und Verschwinden. Ob rosa, lila, grün oder blau, nie ist sie spektral, oder einfach "Anamnese des Sinnlichen". In den abstrakten Landschaften der Elemente versetzt sie uns sogleich in eine ursprüngliche und kosmologische Zeit. Nur ist die kosmologische Zeit nicht streng menschlich. Denn sie verrückt die Masse einer anthropologisch erlebten Zeit, wir werden in eine Ausdehnung geführt, die uns unseres Selbst beraubt. Es geht um eine Zeit der puren Immanenz, zwischen Epfemerem und Immemorialem, manchmal findet sie zurück zu den Analogien, sinnlich, geistig, der Baudelaireschen "Correspondances". Sah nicht Beaudelaire die Zeit in den Augen einer Katze: "In der Tiefe ihrer lieblichen Augen erkenne ich deutlich die Zeit."

Die Zeit sehen, oder Zeitblöcke, bedeutet, dass die Malerei zu sich zurückfindet, von außerhalb des Feldes her, einem Nullpunkt, einer Leere, wie in der Vorrichtigung der "Ménines" nach Foucault.

Mir erscheint dieses "Außerhalb" in Scheibls Malerei von kinematographischer und landschaftlicher Natur. Es handelt sich um eine Landschaft von Absenz und Präsenz, welche die Abstraktion gestaltet, zu jenen "Gedankenbildern" führt, die Walter Benjamin in der chinesischen Malerei liebte. So wird Leere zur Form, Form zur Leere, auf dem Wege zu einem "Liquid Mind", wo das Weiße zu Spiegel und Wasserlandschaft wird. Gedanken im Fluß, so sind die meisten der Landschaftsabstraktionen, und werden zum fließenden Kristall des Lichtes. Nicht anders wären am Ende kartographische Zeit der Malerei, ihre Kosmologie, ihre musikalischen Rhythmen: Leichtigkeit, Fließen, Durchschimmern, und geistige Gleichgültigkeit eines immensen Augen-Spiegels.
(Christine Buci-Glucksmann)