This lot was part of 69th Auction on Tue, 17 June 2008, 12 AM CET.
Archive: Lot 0626 zoom

0626

Hubert Scheibl

estimate € 40,000 - 70,000

Hammer price € 50,000
(without premium)

Hubert Scheibl*
(Gmunden/OÖ 1952 geb.)
"Stranger B"
Öl auf Leinwand
350 x 200 cm
1990/91

Dass das Seherlebnis vor einem Kunstwerk von zentraler Bedeutung für das Verständnis von Kunst ist, ist keine neue Erkenntnis. Auf die Arbeiten von Hubert Scheibl trifft sie nur in besonderem Maße zu.
Das beginnt schon damit, dass das Seherlebnis für den Künstler selbst unerlässlich ist. Nicht zufällig befindet sich sein Wiener Atelier über den Dächern der Stadt, mit viel Licht, Offenheit und freiem Blick. Dort verändert er die Position seiner Bilder immer wieder, um sie unter geändertem Blickwinkel zu betrachten.

Was bei den Bildern Hubert Scheibls als Erstes ins Auge fällt, sind die Oberflächen. War in seinen früheren Arbeiten der Farbauftrag pastos und verlieh ihnen einen geradezu reliefartigen Charakter, sind die neueren Bilder glatt und von räumlicher Tiefe. Der Blick wird hinter die Oberfläche gelockt, von wo her sie zu leuchten scheinen.
Erzielt wird dieser Effekt dadurch, dass Scheibl Farben in Schichten aufträgt und sie durch wiederholtes Abziehen transparent macht. Den Betrachter, der hinter diesen Schleiern Abgründe gleichermaßen entdecken kann wie geheimnisvolle Ein- und Durchblicke, lässt der Künstler freilich allein. Oder anders gesagt: Er lässt Beides zu. Diese Tiefe und Bedeutung wird folglich nur erkennen, wer an die Ausdrucksmittel der Malerei glaubt.

Hubert Scheibl wurde 1952 in Gmunden in Oberösterreich geboren und ist einer der Hauptvertreter der so genannten „Neuen Malerei“. Schon die erste große Ausstellung, die dieser neuen Kunstrichtung Anfang der achtziger Jahre gewidmet war, die Ausstellung „Neue Malerei in Österreich“ in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz, zeigte auch Arbeiten von Hubert Scheibl – unmittelbar nach Abschluss seines Studiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Max Weiler und Arnulf Rainer.
In der Folge fand so gut wie keine große Ausstellung im In- und Ausland mit Konzentration auf die Malerei der achtziger Jahre statt, bei der Scheibl nicht vertreten gewesen wäre. Besonders wichtig waren die Ausstellungen „Einfach gute Malerei“ im Museum moderner Kunst in Wien 1983 und „Hacken im Eis“ 1986 im Zwanzigerhaus.

Bereits Mitte der achtziger Jahre zeigte Scheibl Tendenzen einer monochromen Malerei, als die meisten anderen Vertreter der neuen Kunstrichtung noch immer gegenständliche, erzählende Bilder malten. Diese Bevorzugung des Monochromen verstärkte sich im Laufe der Jahre, und die Bilder Scheibls wurden immer ruhiger, immer meditativer.