Klassische Moderne

GUSTAV KLIMT: Erfolg durch Einigung

Um das Jahr 1898 zeichnete Gustav KLIMT mit farbiger Pastellkreide und mit Bleistift auf Papier sechs eindrucksvolle Damenporträts. Sie bilden keine bestimmten Personen ab, präsentieren vielmehr unterschiedliche Typen des Weiblichen, die Klimt in subtiler Weise zu erkunden suchte. Nur kurze Zeit nach Gründung der Secession entstanden, vermitteln sie überzeugend die einschneidende Wende, die Klimt in der Wahrnehmung des Menschen in der Kunst eingeleitet hat.

Gustav Klimt (1862 – 1918)
Frauenkopf im Profil nach rechts, 1897/98
schwarze Kreide, gewischt, braune Kreide, weiß gehöht, auf Papier
44,5 x 31,5 cm
Schätzpreis: 130.000 – 200.000 €

Gustav Klimt (1862 – 1918)
Damenbrustbild von vorne, 1897/98
braune, schwarze, rote und blaue Pastellkreide auf Papier, weiß gehöht
45 x 32 cm
Schätzpreis: 200.000 – 400.000 €

Als abenteuerliche Reise mit Happy End liest sich aber die Geschichte dieser Kunstwerke. Sie wurden zuerst vom Sanatoriumsbesitzer Anton Löw erworben, der sie seiner Tochter Gertrude (Gerta) als Teil ihrer Aussteuer für ihre erste Ehe überließ. 1912 heiratete Gertrude in zweiter Ehe den Industriellen Elemér von Felsöványi, 1939 musste sie vor den Nazis in die USA flüchten. Ihr Vermögen ließ sie in Wien bei einer Bekannten zurück, die ihr versprochen hatte, es ihr nachzusenden. Die aber hat die Zeichnungen 1941 an Klimts Sohn Gustav Ucicky, als Propaganda-Regisseur zu Erfolg gekommen, verkauft. Sie verschwanden sprichwörtlich von der Bildfläche, bis Ucickys Witwe die Zeichnungen 2013 in die Klimt-Foundation mit dem Auftrag einbrachte, zu einer Einigung mit den Erben nach Gerta Felsövanyi zu gelangen. Das Auktionshaus im Kinsky kann zwei dieser auch als „Schöne Wienerin“ bezeichneten Kunstwerke nun in seiner Juni-Auktion versteigern, ein exemplarisches wie erfreuliches Beispiel für eine erfolgreich abgewickelte Privatrestitution. Seit rund 20 Jahren gelingt es dem Auktionshaus bei diesen schwierigen und komplexen Problemen als Vermittler, als Sachverständiger und als Experte immer wieder, für alle Beteiligten faire Lösungen zu vermitteln und rechtlich wie moralisch problematische Situationen zu bereinigen.

Ergänzend zu dieser Wiederentdeckung wird im Kinsky eine weitere Zeichnung von Klimt aus altem österreichischen Privatbesitz angeboten, nämlich eine der Studien für die Komposition „Freundinnen I“ von 1907, wo sich das Gemälde dazu ebenso in der Klimt-Foundation befindet.

ALFRED KUBIN: Die Welt des Künstlers

Die Leidenschaft eines Salzburger Sammlers resultierte in eine der größten privaten Sammlungen von Alfred KUBIN. Die Kollektion von rund 150 Zeichnungen, Grafiken und Gouachen bieten bei günstigem Schätzpreis eine seltene Auswahl aus den verschiedensten Schaffensperioden dieses ungewöhnlichen Künstlers, dem nichts Menschliches fremd war.

FRANZ SEDLACEK: Nichts als Nebel

Aus altem amerikanischen Privatbesitz gelangt eines der frühen Ölbilder Franz SEDLACEKS zum Ausruf. Die wunderbare Darstellung eines Mannes, der auf ein Nebelmeer blickt, ist eine für Sedlacek so typisch karikierende wie hintergründige Reminiszenz auf Caspar David Friedrich und die Romantik und eine der wenigen sehr gut erhaltenen Beispiele der frühen 1920er Jahre.

SAMMLUNG des KÜNSTLERHAUSES

Keine andere Kunstinstitution hat die österreichische Kunst seit 1860 so nachhaltig und intensiv begleitet und betreut wie das Wiener Künstlerhaus, respektive die Genossenschaft der bildenden Künstler Wien. Kein Wunder also, dass sich hier im Laufe der Jahre eine stattliche Zahl an Kunstwerken gesammelt hat, die als eine Art Deposit für verschiedene Aufwendungen und Projekte des Vereins verwahrt wurden. Um den Fortbestand des Vereins weiter zu sichern, wird im Kinsky die Sammlung von Kunstwerken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Versteigerung gebracht, darunter ein einzigartiger Bestand von 11 Schützenscheiben der Künstlerhaus-Schützengilde von 1924!

Jugendstil

George MINNE: Ein Zauberer der Skulptur

George Minne (1866 – 1941)
Mann mit dem Wassersack
Bronze, patiniert; auf der Oberseite der Plinthe signiert: „GMINNE“
H. 66,5 cm
Schätzpreis: 45.000 – 70.000 €

Androgyne Jünglinge in entrückten Haltungen, in Bronze gegossene vergeistigte Wesen zeichnen das bildhauerische Werk des belgischen Bildhauers Georges MINNE aus. Für die Wiener Secessionisten war er ein gefeiertes Vorbild und Vorreiter für ein neues Menschenbild.

Im Juni können Sammler in einer selten möglichen Auswahl Skulpturen in Bronze und Gips, von der Kleinen Badenden bis zum Großen Knienden, erwerben, die aus zwei bedeutenden Privatsammlungen stammen, eine direkt aus dem Nachlass des Künstlers selbst!

Information

128. Kunstauktion
17. Juni 2019: Klassische Moderne & Jugendstil
18. Juni 2019: Zeitgenössische Kunst

Katalogbestellung: +43 1 532 42 00 oder online