SURREALE WACHTRÄUME, März – 3. Mai 2019

curated by Dr. Agnes Husslein-Arco

Der KUNSTRAUM im Kinsky widmet seine zweite kuratierte Ausstellung dem Wiener Künstler Kurt HÜPFNER (*1930), dessen vielschichtiges und hintergründiges Werk seit den 1960er-Jahren „im Verborgenen“ entstand.

Die Ausstellung Surreale Wachträume im KUNSTRAUM bietet daher die seltene Möglichkeit, das ungewöhnliche Schaffen des „Außenseiters des Kunstbetriebs“ Kurt Hüpfner neu zu entdecken. Ein von Agnes Husslein-Arco ausgewählter Querschnitt des rund 3.100 Arbeiten umfassenden Gesamtwerks zeigt Schlüsselpositionen aus den zentralen Schaffensphasen des heute noch aktiven Künstlers – von seinen grafischen Anfängen, seinen Zeichnungen, den markanten Assemblagen der 1970er-Jahre bis hin zu den Kleinplastiken, die vor allem das Werk ab Mitte der 1980er-Jahre charakterisieren. Kurt Hüpfners medienübergreifendes Werk verschmilzt die Gattungen Zeichnung, Malerei und Plastik auf eigenwillige Weise miteinander und ist gleichzeitig als Reflexion auf die zentralen Positionen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts zu verstehen.

Die Zeichnung ist für Kurt Hüpfner dabei stets Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit. Sie entsteht in Anlehnung an die Technik der écriture automatique, des automatischen Schreibens, das er bei einem Aufenthalt in Paris kennen lernt, ist jedoch mehr als die Übersetzung reiner innerer Impulse; im Ergebnis findet sich immer eine konkrete Gestalt. Hüpfners Zeichnungen dienen meist als Vorlage für die Übersetzung der Idee in ein anderes Medium.

Die Malerei Kurt Hüpfners zeigt wiederum großteils neoexpressionistische Tendenzen, auch wenn er oft die reinbunte Farbigkeit der Pop-Art aufgreift.

Die Skulptur kann bei Hüpfner als systematische Umsetzung einer Zeichnung in die Dreidimensionalität verstanden werden. Als Material dienen oft vorgefundene Werkstoffe wie Terrakotta, Gips, oder Holz.

Das zentrale Thema von Kurt Hüpfners Kunst ist eine Welt der Vorahnung und Prophezeiung. Häufig stellen Hüpfners Arbeiten mythologische oder sagenhafte Wesen dar, aber auch literarische, historische und politische Figuren beschäftigen ihn. Immer wieder verarbeitet der Künstler auch Erinnerungen an Krieg und Terror oder aktuelle tagespolitische Ereignisse.

So inspiriert der Besuch der Ausstellung Pop etc. 1964 im damaligen 20er Haus den Künstler zu eigenständigen Zeichnungen, Gemälde und Assemblagen, die sich formal an der Pop Art orientieren, inhaltlich jedoch Themen wie Politik, Krieg und Literatur aufgreifen. Das Besondere bei Hüpfner, der als Gebrauchsgraphiker und Karikaturist begonnen hatte, ist sein ironisch-kritischer Umgang mit gesellschaftsrelevanten Themen von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre, die er in seinen Werken aufnimmt. Hüpfners Oeuvre ist damit eines der wenigen Beispiele der Pop Art-Rezeption in Österreich. In den 1970er-Jahren entwickelt der Künstler einen unverkennbaren individuellen Stil, der vor allem in kleinformatigen Gips- und Terrakottaplastiken, oftmals mit Ölfarbe bemalt, zum Ausdruck kommt. Diese Kleinskulpturen sind vielfältige „magische Geschöpfe“, von denen jedes eine eigene Geschichte zu erzählen vermag.

Bis ins Jahr 2006 blieb Hüpfners künstlerisches Arbeiten weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Seither waren seine Werke in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. 2016 widmete ihm Agnes Husslein-Arco seine erste museale Einzelpräsentation im damaligen 21er Haus (heute Belvedere21) und initiierte die Erstellung eines umfassenden Online-Werkverzeichnisses im Belvedere Research-Center, welches laufend ergänzt wird.

Die Präsentation des Querschnitts der Arbeiten von Kurt Hüpfner im Kinsky lässt ihn als Neuentdeckung innerhalb der österreichischen Kunstgeschichte wieder in Erscheinung treten. Als Besonderheit präsentiert die Ausstellung eine Nachbildung von Kurt Hüpfners Atelier mit persönlichem Mobiliar und Arrangement der Objekte, anhand dessen die Besucher jene besondere Atmosphäre nachvollziehen können, in der Hüpfners einzigartige Kunst entsteht.

Die Objekte in der Ausstellung sind mit wenigen Ausnahmen käuflich zu erwerben.