Die große Sommerauktion des Jahres geizt nicht mit großen Namen, von Egon Schiele über Alfons Walde bis Rudolf Wacker in der Klassischen Moderne, von Friedensreich Hundertwasser über Arnulf Rainer bis Gerhard Richter in der Zeitgenössischen Kunst. Keramik wiederum steht im Fokus der Jugendstil & Design Auktion, neben Michael Powolny und Kurt Ohnsorg findet sich aber eine bemerkenswerte Auswahl an Metallarbeiten von Josef Hoffmann, aus der Werkstatt Hagenauer und des Art Déco Meisters Bruno Zach.

Klassische Moderne

Die spannungsvolle Ponderation zwischen ausdrucksstarker Linie und kraftvoller Malerei bestimmt die Kunst der frühen Moderne, was sich überzeugend im Angebot dieser Auktion wiederspiegelt. Egon Schieles Mädchen, in verschränkter kauernder Haltung bietet vor allem ein faszinierendes Spiel prägnanter, scharfer wie nervöser Linienzüge, bei dem die Widersprüchlichkeit von Form und Abstraktion, Bewegung und Statik zum Ausdruck gebracht wird. Ein knappes Jahrzehnt später malte Rudolf Wacker seine Mutter 1926 in Bregenz. Auch hier eine wunderbar formende Linie, kraftvoll bei den Händen und des Gesichtes, aber voll geheimnisvoller Stille, die in die Tiefe der menschlichen Empfindung und Seins verweist. Erotik und feminine Schönheit, wie in den drei angebotenen Zeichnungen, erfasste Gustav Klimt wie kein anderer mit seiner Linie; Lebenslust und Naturschönheit in kraftvollen Farben hingegen strahlen die Bilder Alfons Waldes aus. In abstrahierenden Formen und perspektivischer Spannung gelang ihm wie keinem anderen die Symbiose zwischen einer beeindruckenden Naturwelt und alter bäuerlicher Kultur. Das Gemälde „Häuser im Gebirge“ im herrlichen Winterkleid gehört dabei zu den am Markt selten angebotenen Meisterwerken seines Oeuvres. „Alles Licht“ bildet auch die Essenz einer raren „Kollektion“ von vier Bilder in quadratischem Format von Carl Moll, die Anfang der 1930er Jahre in Gastein und Beaulieu entstanden. Albin Egger-Lienz, Wilhelm Thöny, Werner Berg setzen die Liste prominenter Namen und ebensolcher Werke fort.

Egon Schiele (1890 – 1918)
Kauerndes Mädchen, 1917
Bleistift auf Papier; 29,4 x 41,9 cm
Schätzpreis: 100.000 – 200.000 €

Alfons Walde (1891 – 1958)
Häuser im Gebirge, um 1930
Öl auf Karton; 42 x 67,5 cm
Schätzpreis: 150.000 – 300.000 €

Rudolf Wacker (1893 – 1939)
Bildnis meiner Mutter (in ihrem 72. Lebensjahr), 1926
Öl auf Leinwand; 77 x 58 cm
Schätzpreis: 200.000 – 400.000 €

Zeitgenössische Kunst

In den 1970er Jahren erwarb Friedensreich Hundertwasser in der Bay of Islands von Neuseeland umfangreiche Grundstücke im Kaurinui Tal und experimentierte dort an einer ökologisch sanften Verbindung von Natur und modernem Leben. 1982 entstand das Gemälde „831 Tender Dinghi“, ein faszinierend farbintensives Porträt seines Beibootes, dem „Regentag-Dinghi“, mit dem der in Neuseeland „oft durch den Mangroven-Kanal, vom Schiff oder von Opua aus nach Hause“ fuhr. Eingebettet in Streifen leuchtender Farben zählt dieses Werk zweifellos zu Hundertwassers poetischsten Werken, Ausdruck seiner eigenen, unverwechselbaren Naturlyrik. Mehrfach publiziert befand sich das Gemälde seit Jahrzehnten in Privatbesitz und ist nun erstmals am Markt zu erwerben.
Eine besondere Rarität wird in dieser Auktion mit einem Frühwerk Arnulf Rainers geboten. „Brücke“ bezeichnete der Maler die 1951 entstandene Arbeit, in der sich seine in Paris initiierte, radikale Abwendung von surrealen Wirklichkeiten hin zur Abstraktion und Automatisation vollzieht. In deutlicher zeitgleicher Analogie zu Arbeiten von Franz Kline und Robert Motherwell beweist die „Brücke“ Rainers Experimente zwischen bemalter und freigelassener Fläche und die richtige Platzierung von gestischer Form im Raum.
Den Sinn und die Zukunft der Malerei in Frage gestellt hat Gerhard Richter Ende der 1960er Jahre. Als Ausweg und bald als Katharsis zu einem Neubeginn entstanden monochrome Bilder in grauer Farbe. Sein Gemälde „Grau“ von 1973 fordert den Sammler heraus, denn erst im langen Betrachten, im sich „Einlassen“ in die Struktur und Aussage der Farbe beginnt die eigentliche Sogkraft und Faszination des Bildes. Arbeiten aus bedeutenden Werkperioden von Max Weiler, Hermann Nitsch, Markus Prachensky, Ernst Fuchs oder Rudolf Hausner runden das Angebot ab.

Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000)
831 Tender Dinghi, 1982
Mischtechnik auf Spanplatte; 64 x 43 cm
Schätzpreis: 250.000 – 350.000 €

Arnulf Rainer (geb. 1929)
Brücke, 1951
Öl auf Papier auf Leinwand; 158 x 123 cm
Schätzpreis: 100.000 – 200.000 €

Gerhard Richter (geb. 1932)
Grau, 1973
Öl auf Leinwand; 50 x 60 cm
Schätzpreis: 170.000 – 250.000 €

Jugendstil & Design

Zwei große Sammlungen mit den beliebten wie reizvollen Arbeiten aus der Zeit der frühen Moderne von Michael Powolny sowie von Kurt Ohnsorg, dem österreichischen Pionier einer Modernen Keramik nach 1945, präsentieren die beeindruckende Entwicklung innerhalb eines der wichtigsten Zweige des Kunsthandwerks und bieten Sammlern die Möglichkeit, auch selten am Markt angebotene Objekte dieser bedeutenden Künstler zu erwerben. Begeistern werden aber auch die Objekte von Karl und Franz Hagenauer, die Art-Déco Bronzen von Bruno Zach und nicht zuletzt die wunderbare und komplett erhaltene Toilettegarnitur von Josef Hoffmann.

Michael Powolny (1871 – 1954)
Wiener Keramik 1907 – 1912

Kurt Ohnsorg (1927 – 1970)
Keramik 1960 – 1970

Josef Hoffmann (1870 – 1956)
Toilettegarnitur (5-teilig)
Silber, Glas; 6,5 x 22,2 x 6,7 cm (Dose)
Schätzpreis: 60.000 – 120.000 €

Information

123. Kunstauktion
19. Juni: KLASSISCHE MODERNE – JUGENDSTIL
20. Juni: ZEITGENÖSSISCHE KUNST
Ausstellung: 13. – 20. 6. 2018
Katalogbestellung: +43 1 532 42 00 oder office@imkinsky.com