Die Sammlung Erich Schuster
122. Auktion, Antiquitäten, 25. April 2018

In der Epoche des Biedermeier erlebte die Glasproduktion in den böhmischen Hütten der Monarchie dank neuer technischer Innovationen zwischen 1815 bis 1848 eine ganz spezifische und eigenständige Ausführung. Ob der schwierig zu bewerkstelligende Glasschnitt oder die feine, detailreiche Malerei, ob farbiges Überfangglas oder täuschend echte Steingläser, die Auswahl war beachtlich und erfreute sich nicht nur unter dem europäischen Adel während des Wiener Kongresses sondern in hohem Maße auch beim aufstrebendem Bürgertum größter Beliebtheit.

Die Wiener Sammlung von Erich Schuster stellt mit rund 80 Gläsern eine exquisite Auswahl dieser bemerkenswerten Epoche dar. Vergangenes Jahr aber hat er sich entschlossen, seine Objekte wieder neuen Sammlern anzubieten und damit auch das Interesse und die Leidenschaft für das Glas lebendig zu halten. Es ist für Michael Kovacek, der als langjähriger Händler und profunder Kenner des Glases den Sammler in den vergangenen 40 Jahren betreut und beraten hatte, eine große Freude, diese künstlerisch hochwertigen Gläser im Auktionshaus im Kinsky in der großen April-Auktion 2018 anbieten zu können!

Die Sammlung präsentiert seltene, in bunten Farben leuchtende Gläser und Pokale und Beispiele der stets faszinierenden Steingläser, deren marmorierende Effekte auf Experimente des Glaskünstlers Friedrich Egermann aus Haida in Nordböhmen zurückgehen. Nicht fehlen können natürlich Gläser mit transparenter Malerei von Anton Kothgasser (1769–1851), der wohl berühmteste Glasmaler seiner Zeit. Neben dem immer schon sehr populären Motiv des Stephansdom stellt der Glasbecher mit dem Motiv von Vögeln hinter einem goldenen Liniennetz einer Volière eine große Rarität dar.

Eine besondere Beachtung verdient auch die Auswahl an Gläsern mit Glasschnitt, insbesondere die Porträtbecher von Dominik Biemann (1800–1858), der in Karlsbad Gläser der Harrach’schen Glashütte in seltener Perfektion und Feinheit mit Porträtbildern gravierte. Er war auch der einzige, der eigenhändige Zeichnungen der Personen anfertigte und sie dann auf das Glas in einzigartiger Lebendigkeit übertrug. Sehr selten zu finden sind weiters originale Arbeiten von Franz Paul Gottstein (1771-1848), der wie später auch Karl Pfohl (1826-1894) mit seinen lebendigen, delikat gravierten Tierschilderungen Kunstwerke aus Glas produzierte.

Eine spezielle Gruppe bildet die Kollektion an Briefbeschwerern aus den hervorragenden französischen Glasmanufakturen von Saint-Louis, Baccarat und Clichy sowie aus Böhmen. Wie keine andere verstanden sie es, die aus Venedig kommende sogenannte Millefiori-Technik, bei der verschieden farbige Glasteile mosaikartig eingeschmolzen werden, aber auch den Latticinio-Dekor (also Milch-Dekor) mit seinen weißen dünnen Glasfäden mit faszinierenden 3D-Effekten in die transparenten Hohlkugeln einzubinden. Eine Besonderheit der Franzosen war das Einbinden von täuschend nachgebildeten Motiven aus dem Bereich der Flora und Fauna. Briefbeschwerer sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und begeistern bis heute durch die Raffinesse und Kreativität an Mustern und Techniken.