Warum das Unbehagen eine zentrale Rolle spielt

Die Künstlergruppe besteht aus Wolfang Gantner, Ali Janka, Florian Reither und Tobias Urban; ursprünglich nannte man sich „gelatin“, was aber 2005 in „gelitin“ abgeändert wurde. Seit 25 Jahren sind die Freunde eine fixe Größe in internationalen Kunstbetrieb, bekannt vor allem durch ihre  – mit hintergründigem Humor ausgestatteten – Art Events.

Dazu erklären sie In einem Ö1 Interview 2020: „Das Unbehagen ist für uns ein wichtiges Gefühl. Wenn man es sich zu sehr in der Komfortzone einrichtet, passiert in einem selbst auch wenig.“

Die in Öl eingelegten Stofftiere wie das in der Zeitreise sind dafür ein gutes Beispiel.  Sind die süßen Plüschtiere, die wir als Kinder lieben und dann verwerfen, in Wahrheit doch gruselig – der Vergleich mit den eingelegten Föten aus Anatomie-Museen drängt sich auf…

Körperliche Zustände und was das Publikum damit zu tun hat

Jedes Mal geht es Gelitin in ihren Projekten darum, körperliche und natürliche Zustände in Kunst umzusetzen. So etwa vertraten sie Österreich bei der Biennale in Venedig 2001, indem sie den Außenraum des Pavillons in einen wilden Garten verwandelten. Wasser wurde aus dem Kanal hingeleitet, daraus ergaben sich Pfützen, die Frösche und Fische anzogen und über die man auf Holzplanken balancierte: Die Interaktion mit dem Publikum ließ die Kunst quasi erst entstehen.  Die Gruppe schwamm in einer Performance dazu angezogen durch einen Kanal.

Wiederum um körperliche Zustände und Publikumsteilnahme ging es bei der Moskauer Biennale 2005. Dort richtete Gelitin eine Art Toilette ein, die den Urin der Besucher auffing und an der Außenmauer des Gebäudes gefrieren ließ – das Werk nannten sie „Zapf de Pipi“.

Eine ihrer bekanntesten Arbeiten dürfte das Projekt „B-Thing“ (2000) sein. Dabei installierte die Truppe im 91. Stock des World Trade Centers einen temporären Balkon, auf dem sie um 6 Uhr früh posierten.

Eine Arbeit von längerer Dauer hat Gelitin mit dem riesigen rosa Hasen geschaffen. An dem 60 Meter langen Tier wurde fünf Jahre lang gestrickt, dann wurde das mit Stroh gefüllte Stofftier der Verwitterung auf einer Alm im Piemont preisgegeben. Auch hier ist die Teilnahme des Publikums (etwa durch Herumklettern) Teil der Verwandlung und damit der Kunst.