Ausgangspunkt war ein Keller in Wien im Jahr 1962. Dort, in der Perinetgasse im 20. Bezirk, mauerten sich Hermann Nitsch (geboren 1938), Otto Muehl (1925-2013) und Adolf Frohner ein und starteten ihre erste künstlerische Orgie: Sie schütteten Blut, setzten Tierkörper, Exkremente und Gerümpel ein. Das bourgeoise Nachkriegswien war entsetzt – und der Wiener Aktionismus geboren.

Auf diesen Aktionen aufbauend schuf Nitsch ein Gesamtkunstwerk: das Orgien Mysterien Theater. Mit dem Rückgriff auf Brauchtum, Rituale und Religion entwickelte er Aktionen, die das Publikum mit allen Sinnen erfassen sollte. Es stank nach Blut und Fleisch, und nackte Menschen kreuzigten Lammkadaver, während daneben Lärm- und Schreiaktionen stattfanden.

Kat. 872 – Malhemd, 1990

Kat. 873 – Schüttbild, 1983

Kat. 874 – Schüttbild, 2005

Erst 1983 setzt Nitschs malerisches Werk wieder verstärkt ein. Immer noch dem Gesamtkunstwerk verpflichtet, nimmt er – wohl auch in Anlehnung an Klimts berühmten blauen Malerkittel – das Malhemd in sein Werk auf (Kat. Nr. 872). Der Künstler sieht sich fortan als Priester, der Farbe und Textur sinnlich greifbar macht. Thematisch greift Nitsch auf das Drama seines Orgien Mysterien Theaters zurück und bringt dessen Exzess und Explosion auf die Leinwand. In den Schüttbildern verwendet er getrocknetes Blut von in den Aktionen eingesetzten Tierkadavern und rote Farbe. Nitsch schüttet, spritzt, mal wird die Farbe flüssig, mal pastos aufgetragen, mit dem Pinsel oder gleich mit der Hand verschmiert (Kat. Nr. 873, 874).

Es ist ein lustvolles Schmieren, ein intensives sinnliches Erleben, das diese berühmten Schüttbilder ausstrahlen. Den Beweis dazu liefert derzeit die Albertina mit einer großen Ausstellung zu Nitsch‘s 80. Geburtstag, die noch bis 11. August 2019 läuft.

Die Möglichkeit, seine Sammlung mit wichtigen Werken dieses Künstlers zu ergänzen bietet sich hingegen nur an einem Tag und an einem Ort: Auktionshaus im Kinsky, 18. Juni 2019 ab 15 Uhr!

Mag. Alexandra Markl ist Juristin und freie Journalistin; ausgedehnter 15-jähriger Aufenthalt in den USA und UK. Der Besuch der Ausstellung „New Art from Vienna“ 2002 in Massachusetts ist der Startschuss für eine immer intensivere Beschäftigung mit Kunst.