In der Sparte Klassische Moderne hält „im Kinsky“ am 19. Juni hervorragende Landschaften und Porträts heimischer Meister bereit. Der Einfluss französischer Vorbilder beflügelte Künstler wie Carl Moll und Anton Faistauer.

Carl Molls sonnendurchfluteter Blick aus dem Kurhaus, verewigt 1934, als die Familie zur Sommerfrische in Hofgastein weilte.

Sonnendurchflutet strahlt das Gasteinertal auf dem Bild, das der Künstler Carl Moll dort 1934 schuf. Das Gemälde zeigt den Ausblick aus dem Kurhaus, in dem die Familie damals zur Erholung weilte. Bei der Auktion Klassischer Moderne im „Kinsky“ wird es nun mit drei weiteren auf Holztafel gemalten Landschaftsbildern angeboten, die aus dem Nachlass des Künstlers stammen.

Der Secessionsmitbegründer und Stiefvater von Alma Mahler-Werfel schuf seinen Hofgastein, Fensterblick als Reiseandenken für seine Frau. Das quadratische Format lässt an die Landschaften denken, die Gustav Klimt am Gardasee produziert hat. Moll hielt den Einschnitt in die Talgegend in dunklerem Grün fest und setzte den Hintergrund so in Kontrast zu der Lichtreflexion auf den Dächern des Kurorts. Wie seine französischen Vorbilder vertraute Moll auf die Leuchtkraft der Farben. 1903 hatte der als Kurator und Galerist nicht minder versierte Maler die Impressionistenschau in der Secession mitorganisiert, die zudem Werke von Paul Cézanne und Vincent van Gogh schmückten.

Das Licht bricht durch

Für sein zweites Ölbild mit dem Titel Hofgastein im Mai wählte Moll kräftigere Farben, um eine Allee vor bunten Häusern festzuhalten. Die Aufenthalte in der Provence hatten ebenso Einfluss auf den Wandel von Molls Farbpalette wie sein dreißig Jahre jüngerer Kollege Robin Christian Andersen, durch dessen Ansporn er sich dem Expressionismus annäherte. In den Süden Frankreichs führt das Bild Beaulieu, auf dem der Künstler einen Hohlweg unter Olivenbäumen und Föhren darstellt. Das Licht bricht durch, gesichtslose Spaziergänger verbleiben im Schatten. Im Winter reiste der Wiener Maler auf Einladung eines befreundeten Grafen nach Algier, wo er sein Sujet Spaziergang unter Bäumen abermals variiert. Der Blick führt nun hinab auf Stadt und Meer, vorbei an Carl Molls sonnendurchfluteter Blick aus dem Kurhaus, verewigt 1934, als die Familie zur Sommerfrische in Hofgastein weilte. Fotos: „im Kinsky“ schnell und pastos gemalter Vegetation.

Auf Alfons Waldes Winterlandschaft Häuser im Gebirge wirkt der Schnee so plastisch, dass man ihn fast unter den Füßen der Bauern knirschen hört. Ein imposanter Gebirgsstock überragt auf dem Querformat von 1930 zwei Höfe, die als braune Blöcke wie ein Teil der Natur wirken. Der Großvater des Einbringers hat das Gemälde einst beim Kitzbühler Meister persönlich erstanden. Auch das Motiv Bauernhof in Tirol (Bergfrühling) griff der 1985 verstorbene Künstler immer wieder auf. Albin Egger-Lienz hat aus seinem Großformat Das Leben (Die Lebensalter), das heute dem Belvedere gehört, einen Bauernkopf herausgegriffen. Die Darstellung gleicht einer Büste. Die Mutter des Künstlers stellt ein kunsthistorisches Thema dar, seit sich Albrecht Dürer vor 500 Jahren in das faltenreiche Gesicht seiner Mama vertiefte. Der Vorarlberger Maler Rudolf Wacker hatte eine sehr innige Beziehung zu seiner Mutter. Im Jahr 1926 entstand sein Bildnis, das nun zur Auktion gelangt. Der Werktitel Unsere Mutter in ihrem 72. Jahre ist auf einem Brief zu lesen, der vor der alten Frau am Tisch liegt. Ein schönes Detail stellt das an der Wand hängende Kinderporträt dar, das die Mutter als kleines Mädchen zeigt. Die Faszination für die Neue Sachlichkeit ist unverkennbar, wenngleich der Künstler mehr Emotion zulässt.

Cézanne-Verehrer

Auf den Namen Junge Frau im roten Kleid auf rotem Sofa taufte Anton Faistauer 1915 ein nachdenkliches Bildnis seiner ersten Frau Ida. Die ihm angetraute Tochter von Robin Christian Andersen hat Faistauer im Lauf ihrer Ehe rund sechzigmal verewigt. Der Cézanne-Verehrer verlieh den von ihm Porträtierten stets eine elegante Weltläufigkeit, was maßgeblich an seinem koloristischen Feingefühl lag und auch im vorliegenden Werk überzeugt.

Dieser Text wurde von Nicole Scheyerer im Spezial-Teil des „Der Standard“ im Juni 2018 veröffentlicht.