„So reiße ich meine Erde auf, schmelze zusammen, lasse glühen und hoffe, der Einsamkeit durch die Realisierung von Träumen und Kontakten zu entgehen.“

Kurt Ohnsorg (1927 – 1970)

Kurt Ohnsorg (1927 – 1970)
Keramik 1960 – 1970

Geboren am 25.12.1927 in Sigmundsherberg, Niederösterreich; gestorben ziemlich genau 43 Jahre später; verärgert, verbittert, von Geldsorgen geplagt, durch Selbstmord. Dazwischen ein Leben gefüllt mit vielen Kontroversen, dauerndem Kampf um‘s wirtschaftliche Überleben, durchaus respektabler künstlerischer Anerkennung und unzähligen verfehlten Zielen. Wegweisend für dieses Leben verlief schon das Studium Ohnsorgs, das er unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs an der Akademie für angewandte Kunst in Wien begann. Sein Lehrer war Robert Obsieger, ein in der Zwischenkriegszeit erfolgreicher und renommierter Keramiker.

1950 schloss Ohnsorg sein Studium ab, begann als freischaffender Künstler und lieferte vor allem der Gmundner Keramik Entwürfe. Von 1963 an bis zu seinem Tod arbeitete Ohnsorg in einem kleinen Souterrain Atelier im 9. Wiener Gemeindebezirk. Es sah aus wie eine mit altem Werkzeug, einigen Stellagen und viel gebranntem Ton angeräumte Wohnhöhle, in deren Hintergrund sich auch eine Feuerstelle – Ohnsorgs Brennofen – befunden hat.

Während seiner Tätigkeit als Keramiker erhielt Ohnsorg auch einige öffentliche und halböffentliche Aufträge – z.B. von der Stadt Wien, der Caritas und der Republik Österreich, er erhielt auch einige Preise verliehen und einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Linz. Zufriedengestellt hat ihn das alles nicht, und fürs wirtschaftliche Überleben hat es ihm zumeist auch kaum gereicht.

Ohnsorg schuf im Laufe seines Künstlerdaseins, also in der Zeit zwischen 1950 und 1970, mehrere hundert Skulpturen, Vasen, Figuren und Wandinstallationen. Sie waren nie billig, im Gegenteil, sie waren, wenn Ohnsorg nicht gerade ein Geschenk machen wollte, sehr teuer. Denn Kurt Ohnsorg war selbstbewusst und davon überzeugt, dass seine Schöpfungen Kunstwerke sind, die entsprechende Kaufpreise verdienen.

Er selbst hat diese Arbeiten so beurteilt:
„Die Liebe zum Handwerk ist nicht als sentimentale Neigung anzusehen, sondern als die nach wie vor vollkommenste Möglichkeit des Menschen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Und diese Auseinandersetzung kann man sich auch nicht ersparen. Sie darf keinem schöpferischen Menschen erspart bleiben, wenn er nicht an der Oberfläche der Erscheinungen kleben bleiben will. Auf der Grundlage des Handwerkes zu forschen und zu gestalten, soll unsere Aufgabe sein, den Reichtum der Materie für uns alle wieder zu entdecken und ihn ohne Vorbehalt weiterzuvermitteln. Wer sich der Mühe der Beherrschung der Materie nicht unterzieht, bei dem kann sowohl Persönlichkeit, als auch Künstlerschaft als fragwürdig gelten.“

Wir sind heute in der glücklichen Lage, die Sammlung eines Kunstliebhabers, der Ohnsorg ein Leben lang begleitet hat und der ihm daher das eine und andere Stück abgekauft hat, anzubieten. Ein kleiner Beitrag, dem Werk dieses genialen Künstlers zu dem Ansehen, das er verdient, zu verhelfen.

Ernst Ploil, Auktionshaus im Kinsky (Auszug aus dem Katalog, 123. Kunstauktion, Jugendstil & Design)