Friedensreich Hundertwasser*
(Wien 1928–2000 nahe Brisbane, Australien)
831 Tender Dinghi, 1982
64 x 43 cm
Schätzpreis: € 250,000–350,000

„Dinghis sind kleine Boote, die man auf ein größeres Schiff auflädt oder an einem Strick mitzieht und mit denen man an Land fährt, um Proviant zu holen. Mein „Regentag-Dinghi“ stammt aus 1970 vom „Mutterschiff“ aus Venedig, es ist aus Glasharz und so oft mit neuen Lagen geflickt, daß es mir zu schwer ist, es allein an den Strand zu ziehen. Man kann damit rudern, einen bis zu 6 PS starken Outboard-Motor benutzen und auch segeln, wenn man einen versenkbaren Kiel in den Mittelschlitz steckt. Mit ihm fahre ich oft durch den Mangroven-Kanal, vom Schiff oder von Opua aus nach Hause.“

Friedensreich Hundertwassers kurze Erklärung des Wortes „Dinghis“ lässt unmittelbar Träume an ein Leben in unberührter Natur, an Abenteuer und reizvollen Stimmungen aufkommen. In seiner eigenen Sprache der Bilder und Farben fasste Hundertwasser diesen Eindruck in einem seiner poetischsten Bildern zusammen, im „831 Tender Dinghi“!

Es war in den frühen 1970er Jahren, als Hundertwasser erstmals nach Neuseeland kam, wo er in den folgenden Jahren im Kaurinui-Tal in der Bay of Islands über die Jahre hin mehrere Grundstücke erwarb und seinen Traum vom Leben und Arbeiten in und mit der Natur verwirklichte. Für die Fahrten auf den Kanälen, zu seinem Schiff Regentag oder nach Opua verwendete er sein „Dinghi“, später auch das kleine Stahlschiff „La Giudecca“.
Das Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel für einen der wichtigsten Motivkreise Hundertwassers, dem Schiff. Seit seiner Kindheit hatte er sich mit Schiffen beschäftigt und diese malerisch erträumt. Schiffe, Dampferschlote, Bullaugen kommen als Motive immer wieder in seinen Bildern vor, die er mit poetischen Namen wie „Singende Dampfer“ oder „Mundboote“ betitelte. Hundertwassers prominentestes Schiff war natürlich die „Regentag“, mit der er die große Reise von Europa nach Neuseeland unternahm.

„831 Tender Dinghi“ zählt zu Hundertwasser populärsten Gemälden der frühen 1980er Jahre, dessen Intensität wie Harmonie der Farben, sanfte Reduktion der Formen und reizvolle Blick aus erhöhter Perspektive fasziniert.

Das Gemälde wird am 20. Juni 2018 in der Abend-Auktion „Zeitgenössische Kunst“ im Auktionshaus im Kinsky versteigert.

Text: Marianne Hussl-Hörmann, Auktionshaus im Kinsky