Lot 0619 - Online-Katalog - Zeitgenössische Kunst Mi, 4. März 2020, 17:00 Uhr

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Zeitgenössische Kunst

Rudolf Polanszky* (Lot 0619), 131. Auktion zoom

0619

Rudolf Polanszky*

Reconstructions
Schätzpreis € 45.000 - 75.000
  • Detailbild 1: Kat. 0619
  • Detailbild 2: Kat. 0619

Rudolf Polanszky*

(Wien 1951 geb.)
Reconstructions, 2005
Plexiglas, Farbe, diverse Materialien auf Leinwand; ungerahmt; 137 x 151 cm
Provenienz
2011 direkt vom Künstler erhalten;
seither Privatbesitz, Wien


„Ich will keinen Sinn machen“
(Rudolf Polanszky in Rudolf Polanszky Transaggregate, Video von Cast your art für Galerie Konzett, http://www.artkonzett.com/de/kuenstler/rudolf-polanszky/)

Rudolf Polanszky’s Oeuvre entsteht aus dem Spannungsfeld zwischen seiner Faszination für wissenschaftliche Ideenvorstellungen einerseits, und seiner gesunden Skepsis ihnen gegenüber andererseits. Sein Weg hat ihn zu einer unverwechselbaren und eigenständigen Position in der zeitgenössischen Kunst geführt. „Ich wollte den Einfluss der bewussten Vorstellung ausschalten. Die Kunst von mir hängt damit zusammen, diese Dinge aufzubrechen. Ich habe das die Ad-hoc-Synthese genannt.“ (Rudolf Polanszky in Rudolf Polanszky Transaggregate, Video von Cast your art für Galerie Konzett, http://www.artkonzett.com/de/kuenstler/rudolf-polanszky/)
In seinen Reconstructions, die er seit den 90-er Jahren schafft, erzeugt Polanszky aus vorhandenen Materialien „Ad-hoc“ aufgrund einer Idee eine neue Struktur. So sammelt er Materialien, die er zuerst gar nicht benötigt, wie Plexiglas, Metall, Spiegelfolie, Kunstharz, Draht oder Schaumstoff. Er setzt sie der Witterung oder dem Gebrauch aus, er vergisst und findet sie wieder. Nie werden die Materialien in der Absicht bearbeitet, einen bestimmten Zweck zu erfüllen – im Gegenteil, sie sollen von jeder Nützlichkeit befreit werden.
Denn es ist eben ihre bedeutungslose und rein zufällige Verwendung, die eine eigene Aura für den Künstler schafft. So kombiniert er die Elemente immer wieder neu. Sein Ziel ist dabei die Vermeidung: „Nicht das zu machen, was man von Natur aus quasi machen würde, nämlich das zu tun, was einem gefällt. Das schon festgelegt ist als etwas, wie es so gehören würde.“ (Rudolf Polanszky in Rudolf Polanszky Transaggregate, Video von Cast your art für Galerie Konzett, http://www.artkonzett.com/de/kuenstler/rudolf-polanszky/)
Was ihm gefällt, will dieser Künstler keinesfalls wiederholen. Dazu brauche es eine dauernde Wachheit, ein hochspontanes Reagieren – die Ad-hoc-Synthese eben. ( Vgl Rudolf Polanszky in Materialien sind mir eigentlich völlig egal, Interview mit Amar Priganica, PW Magazin, 28. März 2018 https://www.pw-magazine.com/2018/rudolf-polanszky-materialien-sind-mir-eigentlich-voellig-egal/)
„Wofür es gut ist? Für gar nichts. Ist doch schön: Wenn es für gar nichts gut wäre und trotzdem bliebe. Das wäre die Lösung überhaupt. Irgendetwas völlig Wertloses für ewig.“ (Rudolf Polanszky in Rudolf Polanszky Transaggregate, Video von Cast your art für Galerie Konzett, http://www.artkonzett.com/de/kuenstler/rudolf-polanszky/))
Nicht ganz wertlos, möchte man hinzufügen – das steigende Interesse an seinem faszinierenden Konzept führte in den letzten Jahren zu Spitzenpreisen, und der Künstler eröffnet im März 2020 seine erste Schau in der New Yorker Gagosian Gallery. Die Wiener Secession widmete ihm bereits 2018 eine Einzelausstellung, und seine Werke sind Bestandteil der Sammlungen des Belvedere Wien und des Rubell Museums, Miami. (Alexandra Markl)