Lot 0612 - Online-Katalog - Zeitgenössische Kunst Mi, 4. März 2020, 17:00 Uhr

zur Übersicht

Zeitgenössische Kunst

Bruno Gironcoli* (Lot 0612), 131. Auktion zoom

0612

Bruno Gironcoli*

o.T.
Schätzpreis € 40.000 - 60.000
  • Detailbild 1: Kat. 0612
  • Detailbild 2: Kat. 0612

Bruno Gironcoli*

(Villach 1936-2010 Wien)
o.T., 1987
Metallpulverfarbe, Tusche und Mischtechnik auf Papier; gerahmt; 200 x 153 cm
Signiert rechts oben: B. Gironcoli
Provenienz
1987 direkt beim Künstler erworben;
seither österreichischer Privatbesitz
Literatur
Bruno Gironcoli. In der Arbeit schüchtern bleiben. Arbeiten auf Papier, Manuela Ammer (Hg.), Katalog zur Ausstellung, mumok Wien 2018, Abb. S. 345.


Bruno Gironcoli, geboren 1936 in Villach, Kärnten, war einer der international bedeutendsten Bildhauer seiner Generation. Nach einer Goldschmiede-Ausbildung studierte er an der Akademie für Angewandte Kunst bei Prof. Bäumer in Wien. Sein künstlerisches Interesse galt auf malerischer Ebene der französischen Moderne wie dem american abstract expressionism. Besonders inspiriert hat ihn jedoch die Kunst von Alberto Giacometti, die er während eines einjährigen Aufenthalts in Paris näher kennenlernte.

1989 wurde Gironcoli mit dem Österreichischen Skulpturenpreis der Erste Allgemeine Generali-Foundation ausgezeichnet, 2003 vertrat er Österreich auf der Biennale in Venedig. 2018 widmete ihm das mumok Wien eine umfangreiche Retrospektive. Gironcolis Werke sind in bedeutenden nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Parallel zu seinem plastischen Werk entwickelte der Künstler ein umfangreiches graphisches und malerisches Oeuvre. Dieses Medium erlaubte es dem Künstler, freier zu arbeiten und sein Motiv-Repertoire zu erweitern. Ähnlich wie seine Skulpturen, setzen sich die Papierarbeiten des Künstlers aus verschiedenartigen Bildelementen zusammen, die er immer wieder neu arrangiert und kontextualisiert. Gironcoli hat damit eine eigenständige Bildsprache erschaffen, die zudem futuristische, expressionistische und surreale Elemente in sich vereint.
Die dem Künstler eigentümlichen metallischen Farben verleihen seinen Arbeiten eine wertvolle, erhabene und sakrale Note. Von Gironcoli mit Vorliebe eingesetzte Muster strukturieren die chaotischen Szenen und bieten den Bildelementen Zusammenhalt.

In der vorliegenden großformatigen Papierarbeit von 1987 bietet ein voluminöser Kreis das dynamische Zentrum des Bildes, der wegen der verwendeten Ährenformen auch als „Brotkranz“ identifiziert werden kann. Tatsächlich sprach der Künstler in der Erinnerung des Sammlers immer von dieser Arbeit als das „Ankerbrot“- Bild, war Gironcoli doch mit dem damaligen Geschäftsführer des Unternehmens in gutem Kontakt. Außerhalb des Kreises finden sich typische und wiederkehrende Motive des Künstlers, wie die beiden Rückenfiguren mit Sense oder das Hundepaar.
Bemerkenswert ist die geballte, von seinen monumentalen Objekten auf die Fläche eines Papiers übertragene malerische Energie, mit der der Künstler die großen Themen von Fruchtbarkeit, dem Kreislauf des Wachsens und Vergehens und der Rolle des Menschen erweitert und neu kommentiert. (vgl. Christian Reder, in: Bruno Gironcoli. Die Ungeborenen, Ausst.-Kat. MAK, Wien 1997, S.109.)
(Marianne Hussl-Hörmann)