Dieses Exponat war Teil der Sommerauktion vom Do, 25. Juni 2020.
Archiv: Lot 1743 zoom

1743

Bruno Gironcoli*

Bett

Schätzpreis € 25.000 - 50.000

Meistbot € 41.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 1743
  • Detailbild 2: Kat. 1743
  • Detailbild 3: Kat. 1743

Bruno Gironcoli*

(Villach 1936-2010 Wien)
Bett
Aluminiumguss; 75 x 220 x 76 cm
Signiert und nummeriert: Gironcoli 6/7
Auflage: 7 Stück
Provenienz
Privatbesitz, Kärnten


Bruno Gironcoli schuf als Bildhauer und Zeichner mit seinen Werken einen schwer zugänglichen, rätselhaften Kosmos. Immer wiederkehrende Themen bei seinen Skulpturen sind die Dialektik von Mann und Frau, die Geburt, Eros, Sex, Elternschaft, Religion, die Suche nach Glück, Gewalt, das Scheitern und der Tod, für die Gironcoli eine sehr persönliche Formensprache entwickelte. Dabei wurden Gebrauchsgegenstände mit kulturellen Symbolen kombiniert und in Relation gesetzt, Alltagsgegenstände wurden zu Metaphern menschlicher Existenz. Babykörper aus Aluminium umringt von Flammen, Kornähren aus Bronze, überdimensionale Blätter aus Stahl, durch dornenartige Zacken jeder Sinnhaftigkeit entraubte Betten wiederholen sich immer wieder in seinem Werk. Charakteristisch vor allem für seine großen Skulpturen ist eine Mischung aus menschlichen Zügen, Embryos und Maschinenteilen, die gleichermaßen verstören wie faszinieren und auch heute noch häufig auf Unverständnis treffen. Bestimmte Formen oder Requisiten kehren immer wieder und ergeben den „Ausdruck einer Privatmythologie des Künstlers“ (Bettina M. Busse, in: Bruno Gironcoli, Kat. CFA Berlin, Berlin 2010, S. 6.), Werner Hofmann betitelt seine Großskulpturen gar als „Riesenspielzeuge“ (Werner Hofmann, in: Bruno Gironcoli. Die Skulpturen 1956-2008, Ostfildern 2008, S. 8.).
Anfang der sechziger Jahre begann der Kärntner als Objektkünstler mit Plastiken aus billigen Altmaterialien: Holz, Nylon, Eisen, Aluminium, Glas, Pech sowie Draht und Polyester, die er mit Gold-, Silber- und Kupferfarbe zu überziehen begann. Diese charakteristische Farbgebung behielt er auch für die meisten seiner nachfolgenden Skulpturen bei, zuerst eine Notlösung aus Geldmangel, die aber auch die Faszination für Edelmetalle wiederspiegelt.
Mit der Berufung an die Akademie Ende der 1970er Jahre standen dem Künstler die großen Atelierräumen in der Böcklinstrasse zur Verfügung, was sich deutlich in seinem Werk niederschlug: Ab den achtziger Jahren schuf er monumentale, barock anmutende Plastiken, die der Familien-Thematik verhaftet sind. Er beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, angesichts der Größe seiner Objekte war die Realisierung von großen monografischen Schauen aber fast undurchführbar.

Als einer der wenigen österreichischen Künstler dieser Zeit distanzierte sich Gironcoli von der dominierenden Wotruba-Schule und orientierte sich mehr an internationalen Positionen,
als Lehrender beeinflusste er mit seiner Erweiterung des traditionellen Skulpturbegriffs eine ganze Künstlergeneration. 2010 starb Gironcoli nach schwerer Krankheit an den Folgen der giftigen Dämpfe, die er im Laufe seiner Arbeit mit synthetischen Materialien eingeatmet hatte.
(Ina Waldstein)